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Imap

Document: 14.12.2011   Fachinformation (deutsch) change

Fachinformation



1. Bezeichnung des Arzneimittels


IMAP, Injektionssuspension



2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung


Wirkstoff: Fluspirilen


1 ml Injektionssuspension enthält 2 mg Fluspirilen.


Enthält 12 mg Benzylalkohol pro ml.


Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.



3. Darreichungsform


Injektionssuspension



4. Klinische Angaben


4.1 Anwendungsgebiete


Akut produktive und chronisch schizophrene Psychosen (Langzeittherapie und Rezidiv­prophylaxe)


4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung


Die individuelle Ansprechbarkeit auf Fluspirilen variiert stark. Die Dosierung ist von der Schwere der psychotischen Symptomatik und vom Ansprechen des Patienten abhängig und muss vom Arzt jeweils individuell ermittelt werden.


Allgemein gelten folgende Dosierungsempfehlungen:


Ambulanter Bereich:

Die wöchentliche Dosis beträgt für ambulantePatienten üblicherweise 2‑6 mg Fluspirilen alle 7 Tage (entsprechend 1‑3 ml Injektionssuspension).


Stationärer Bereich:

Die wöchentliche Dosis beträgt für stationärePatienten üblicherweise 3‑8 mg Fluspirilen alle 7 Tage (entsprechend 1,5‑4 ml Injektionssuspension). Eine wöchentliche Dosis von 12 mg Fluspirilen (entsprechend 6 ml Injektionssuspension) sollte nicht überschritten werden.


Bei Zeichen einer Überdosierung ist ggf. eine Injektion auszulassen.


IMAP ist kontraindiziert bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (siehe Abschnitt 4.3).


Ältere Patienten benötigen in der Regel niedrigere Dosen (Beginn mit 1‑2 mg Fluspirilen). Dosisanpassungen sind besonders vorsichtig vorzunehmen.


Fluspirilen ist eine mikrokristalline Formulierung und ausschließlich zur intramuskulären Anwendung bestimmt und wird einmal wöchentlich tief intraglutäal injiziert. Bei wiederholter intramuskulärer Anwendung Injektionsstelle wechseln, um Unverträglichkeiten zu vermeiden.


Um Irritationen an der Einstichstelle zu vermeiden, wird ein Wechsel der Einstichstellen (alternativer Wechsel der linken und rechten Glutealmuskeln) empfohlen.


IMAP muss gleichmäßig suspendiert sein. Deshalb die Injektionssuspension vor dem Aufziehen leicht schütteln. Gebrauchsfertig hat die Injektionssuspension ein perlmuttartiges, marmori­siertes Aussehen.


Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Krankheitsbild und dem individuellen Verlauf. Dabei ist die niedrigste notwendige Erhaltungsdosis anzustreben. Über die Notwendigkeit einer Fortdauer der Behandlung ist kontinuierlich kritisch zu entscheiden.


Nach längerfristiger Therapie muss der Abbau der Dosis in kleinen Schritten und über einen längeren Zeitraum in engem Kontakt zwischen Arzt und Patienten erfolgen.


4.3 Gegenanzeigen


Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, die Wirkstoffgruppe (Butyrophenone) oder einen der sonstigen Bestandteile.


IMAP darf nicht angewendet werden:

- bei Zuständen, die mit einer schweren Dämpfung des zentralen Nervensystems einhergehen, z. B. Koma, akute Alkohol-, Anlagetika-, Hypnotika- oder Psychopharmaka-Intoxikationen,

- bei Parkinsonkrankheit,

- bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren,

- in Geweben mit verminderter Durchblutung.


4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung


Fluspirilen darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei

- Leber- und Niereninsuffizienz

- hirnorganischen Erkrankungen

- anamnestisch bekannter Epilepsie

- wahnhafter oder endogener Depression

- gleichzeitigem Vorliegen von Prolaktin-abhängigen Tumoren, z. B. Prolaktinomen der Hypophyse

- möglicherweise Prolaktin-abhängigen Tumoren, z. B. epithelialen Mamma-Tumoren

- Phäochromozytom

- Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (vgl. Angaben unter "Herz-Kreislauf-System")

- pathologischen Veränderungen des Blutbildes

- anamnestisch bekanntem malignen neuroleptischen Syndrom

- Engwinkelglaukom, Harnverhalt, Prostatahyperplasie, Hyperthyreoidismus oder Thyreotoxi­kose


Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen

Die Daten zweier großer Anwendungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt wurden, einem leicht erhöhten Mortalitätsrisiko im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika Behandelten ausgesetzt sind. Anhand der vorliegenden Studiendaten kann eine genaue Höhe dieses Risikos nicht angegeben werden und die Ursache für die Risikoerhöhung ist nicht bekannt.


IMAP ist nichtzur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, zugelassen.


Malignes Neuroleptisches Syndrom

Wie bei anderen antipsychotischen Arzneimitteln wurde in Verbindung mit IMAP über ein Malignes Neuroleptisches Syndrom berichtet: eine spezifische Reaktion, gekennzeichnet durch Hyperthermie, generalisierte Muskelrigidität, autonome Instabilität, Bewusstseinstrübung. Hyperthermie ist oft ein früher Hinweis auf dieses Syndrom. Antipsychotika sollten sofort abgesetzt und eine angemessene unterstützende Behandlung sowie eine sorgfältige Überwa­chung eingeleitet werden.


Tardive Dyskinesien

Wie bei allen antipsychotischen Arzneimitteln können tardive Dyskinesien bei manchen Patienten nach einer langfristigen Behandlung oder nach Absetzen auftreten. Das Syndrom ist vorrangig charakterisiert durch rhythmische unwillkürliche Bewegungen der Zunge, des Gesichts, des Mundes oder der Kiefer. Das Auftreten kann bei manchen Patienten andauernd sein. Das Syndrom kann maskiert werden, wenn die Behandlung wieder aufgenommen, die Dosis erhöht oder wenn auf ein anderes antipsychotisches Arzneimittel umgestellt wird. Die Behandlung sollte umgehend beendet werden.


Extrapyramidale Symptome

Wie bei allen Neuroleptika können extrapyramidale Symptome wie Tremor, Rigidität, Hypersalivation, Bradykinesie, Akathisie oder akute Dystonie auftreten. Anticholinerge Anti­parkinson-Arzneimittel können bei Bedarf angewandt werden, sollten aber nicht regelmäßig präventiv gegeben werden. Ältere Patienten können besonders empfindlich insbesondere bezüglich extrapyramidaler Symptome reagieren.


Krampfanfälle / Konvulsionen

IMAP kann die Krampfschwelle senken und sollte daher bei Patienten mit Epilepsie unter Vorsicht angewandt werden. Wenn notwendig muss die Dosis der antikonvulsiven Therapie bei diesen Patienten angepasst werden.


Besondere Patientengruppen

IMAP sollte bei Patienten mit einer Leberfunktionsstörung mit Vorsicht angewandt werden.


Herz-Kreislauf-System

Insbesondere zu Beginn der Behandlung kann eine (orthostatische) Hypotonie auftreten. Fluspirilen sollte bei Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzin­suffizienz, Myokardinfarkt, Reizleitungsstörungen, Dehydrierung, Hypovolämie, schwerer Hypotonie) nur mit Vorsicht angewendet werden. Eine regelmäßige Überwachung der Herz­funktion wird empfohlen. Wenn eine klinisch relevante orthostatische Hypotonie andauert, sollte der Nutzen gegenüber dem Risiko der weiteren Behandlung kritisch abgewogen werden.


Erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten cerebrovaskulären Ereignissen

In randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wurden, wurde ein etwa um das dreifache erhöhtes Risiko für unerwünschte cerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet. Der Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, ist unbekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt. IMAP sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden.


Thromboembolie-Risiko

Im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika sind Fälle von venösen Throm­boembolien (VTE) berichtet worden. Da Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE aufweisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung mit IMAP identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden.


Hinweise:

Vor einer Behandlung mit Fluspirilen ist das Blutbild (einschließlich des Differentialblutbildes sowie der Thrombozytenzahl) zu kontrollieren. Bei pathologischen Blutwerten darf eine Behandlung mit Fluspirilen nur bei zwingender Indikation und unter engmaschigen Blutbild­kontrollen erfolgen.


Bei Nierenfunktionsstörungen ist die verlangsamte Ausscheidung von Povidon (Trägersub­stanz) zu beachten. Aufgrund des Povidongehaltes kann nicht ausgeschlossen werden, dass es nach häufiger oder länger dauernder Anwendung sehr selten zu einer Speicherung von Povidon im Retikuloendothelialen System (RES) oder zu örtlichen Ablagerungen und Fremdkörper­granulomen kommen kann, die zur Verwechslung mit Geschwülsten Anlass geben können.


IMAP enthält Natrium, aber weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro ml.


4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen


Bei kombinierter Anwendung mit zentral dämpfenden Substanzen (z. B. Alkohol, Schlafmittel, Schmerzmittel, andere Psychopharmaka, Antihistaminika) kann es zu verstärkter Sedierung oder Atemdepression kommen. Eine durch Polypeptid-Antibiotika (z. B. Colistin, Polymy­xin B) hervorgerufene Atemdepression kann durch Fluspirilen verstärkt werden.


Die Wirkung von Antihypertensiva kann bei gleichzeitiger Gabe von Fluspirilen verstärkt werden. Die antihypertensive Wirkung von Guanethidin wird dagegen abgeschwächt.


Die gleichzeitige Gabe von trizyklischen Antidepressiva mit Fluspirilen führt zu einem Anstieg der Antidepressiva-Plasmaspiegel. Es ist nicht bekannt, ob dies zu einer bedeutsamen Änderung der Wirkung des Antidepressivums führt.


Bei gleichzeitiger Gabe mit Benzatropin oder Trihexyphenidyl kann die Fluspirilen-Wirkung abgeschwächt werden.


Bei gleichzeitiger Anwendung mit Phenobarbital, Carbamazepin oder Diphenylhydantoin kann der Blutspiegel von Fluspirilen gesenkt werden. Es ist nicht bekannt, ob dies zu einer bedeut­samen Abschwächung der Fluspirilenwirkung führt.


Die Gabe von Lithium kann den Fluspirilenspiegel im Blut erhöhen, die Gabe von Fluspirilen den Lithiumspiegel. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Lithium kann es vermehrt zu extra­pyramidalmotorischen Störungen, Müdigkeit, Tremor und Mundtrockenheit kommen. Die Möglichkeit neurotoxischer Interaktionen kann nicht ausgeschlossen werden.


Bei gleichzeitiger Behandlung mit Dopaminagonisten (z. B. Levodopa) kann dessen Wirkung abgeschwächt werden.


Bei kombinierter Anwendung von Antipsychotika mit anderen Dopaminantagonisten (z. B. Metoclopramid) kann es zu einer Verstärkung der extrapyramidalmotorischen Wirkungen kommen.


Wird Fluspirilen zur Behandlung bei Kokainsüchtigen angewendet, kann es zu einer Ver­stärkung der extrapyramidalmotorischen Wirkungen kommen.


Die gleichzeitige Behandlung mit Anthelminthika, die Piperazin enthalten, führt zu einem erhöhten Risiko extrapyramidalmotorischer Nebenwirkungen.


Bei gleichzeitiger Anwendung zusammen mit Adrenalin (Epinephrin) kann es zu paradoxer Hypotension und Tachykardie kommen. Die antihypotone Metaraminol-Wirkung wird abgeschwächt; auch die Phenylephrin-Wirkung wird abgeschwächt.


Die periphere Vasokonstriktion hoher Dopamindosen kann durch Fluspirilen reduziert werden.


Bei gleichzeitiger Anwendung von Fluspirilen mit Arzneimitteln, die eine anticholinerge Wirkung besitzen (z. B. Atropin), kann diese Wirkung verstärkt werden. Dies kann sich in Sehstörungen, Erhöhung des Augeninnendrucks, Mundtrockenheit, Tachykardie, Obstipation, Miktionsstörungen, Salivationsstörungen, Sprechblockade, Gedächtnisstörungen oder ver­mindertem Schwitzen äußern.


Unter der Therapie mit Fluspirilen ist die Wirkung von Disulfiram bei gleichzeitigem Alkoholgenuss abgeschwächt.


Die Kombination mit Substanzen, die die Krampfschwelle des Gehirns herabsetzen, sollte vermieden werden.


Bei gleichzeitiger Anwendung von Pentetrazol kann es zur Auslösung zerebraler Anfälle kommen.


Wegen der durch Fluspirilen hervorgerufenen Prolaktinerhöhung kann die Reaktion auf die Anwendung von Gonadorelin abgeschwächt werden.


4.6 Schwangerschaft und Stillzeit


Schwangerschaft

Für IMAP liegen keine klinischen Daten über exponierte Schwangere vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Da die Sicherheit einer Anwendung in der Schwangerschaft nicht belegt ist, sollte IMAP nur nach strenger Indikationsstellung und nach sehr sorgfältiger Abwägung des therapeutischen Nutzens für die Mutter gegen die möglichen Risiken für das Kind verordnet werden.


Um reversible Nebenwirkungen (extrapyramidale Störungen, cholestatischer Ikterus, Entzugs­erscheinungen, leichte Fehlhaltungen der Extremitäten) bei Neugeborenen zu vermeiden, wird empfohlen, Antipsychotika in den letzten Schwangerschaftswochen nach Möglichkeit niedrig zu dosieren.


Neugeborene, die während des dritten Trime­nons der Schwangerschaft gegenüber Antipsycho­tika (einschließlich Fluspirilen) exponiert sind, sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können. Es gab Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tremor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsauf­nahme. Dementsprechend sollten Neugeborene sorgfältig überwacht werden.


Unter der Behandlung mit Fluspirilen kann das Ergebnis eines Schwangerschaftstests verfälscht sein (falsch positives Ergebnis).


Stillzeit

Antipsychotika passieren die Plazentaschranke und gehen in die Muttermilch über. Während einer Behandlung mit IMAP darf nicht gestillt werden.


4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Ma­schinen


Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Daher sollte das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen oder sonstige gefahr­volle Tätigkeit ‑ zumindest während der ersten Phase der Behandlung ‑ ganz unterbleiben. Die Entscheidung in jedem Einzelfall trifft der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Reaktion und der jeweiligen Dosierung.


4.8 Nebenwirkungen


Nachstehend findet sich eine Auflistung der in klinischen Studien und nach Markteinführung berichteten Nebenwirkungen.



Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:


Sehr häufig ( 1/10)

Häufig ( 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich ( 1/1.000 bis < 1/100)

Selten ( 1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten (< 1/10.000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)


Das Auftreten von Nebenwirkungen unter der Behandlung mit Fluspirilen hängt neben der individuellen Disposition des Patienten vor allem von der Dosierung ab. Als Antipsychotikum der ersten Generation stehen extrapyramidale Symptome und andere zentralnervöse Begleiter­scheinungen im Vordergrund.


Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Nicht bekannt: Leukopenie

Störungen des Blutbildes (Thrombopenie, Eosinophilie, Panzytopenie, Agranulozytose)

Störungen des lymphatischen Systems


Endokrine Erkrankungen

Sehr selten: Hyperprolaktinämie


Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Nicht bekannt: Glukosestoffwechselstörung


Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Depression

Insomnie

Schlafstörung

Selten: depressive Verstimmung

Lethargie

delirante Symptome

Ruhelosigkeit

Sehr selten: psychotische Prozesse reaktiviert

psychotische Prozesse verschlechtert

Nicht bekannt: Angst


Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Hypokinesie

extrapyramidale Störungen

Akathisie

Parkinson-Syndrom

Tremor

Somnolenz

Dyskinesie

Schwindel

Sedierung

psychomotorische Hyperaktivität

Frühdyskinesie (krampfhaftes Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, Schiefhals, Versteifungen der Rückenmuskulatur)

Dystonie

Bradykinesie

Sehr selten: Malignes Neuroleptisches Syndrom (Fieber über 40°C, vegetative Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck, Bewusstseinstrübung bis zum Koma)

Tardive Dyskinesie

Nicht bekannt: Benommenheit

Regulationsstörung der Körpertemperatur

Erregung

Kopfschmerzen

EEG-Veränderungen

zerebrale Krampfanfälle

vegetativ autonome Symptome (wie verschwommenes Sehen, Akkommoda­tionsstörungen, Gefühl der verstopften Nase, Erhöhung des Augeninnen­drucks, Miktionsstörungen, Diarrhö, Appetitverlust)

Akinesie

Hypersalivation

Dysarthrie


Augenerkrankungen

Selten: Korneaeinlagerungen

Pigmenteinlagerungen

Linseneinlagerungen

Sehr selten: Sehstörungen

Nicht bekannt: okulogyre Krisen

Augenrollen


Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Nicht bekannt: Vertigo


Gefäßerkrankungen

Gelegentlich: Hypotension und reflektorische Beschleunigung der Herzfrequenz

Nicht bekannt: Fälle von Thromboembolien (einschließlich Fällen von Lungenembolie und Fällen von tiefer Venenthrombose)


Herzerkrankungen

Gelegentlich: EKG-Veränderungen (Störungen der Erregungsausbreitung und -rückbildung)


Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Nausea

Sehr selten: paralytischer Ileus

Nicht bekannt: Erbrechen

Verstopfung

trockener Mund

verstärkter Speichelfluss


Leber- und Gallenerkrankungen

Selten: passagere Erhöhung der Leberenzymaktivitäten

Abflussstörungen der Galle

Gelbsucht


Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Hautausschlag

Sehr selten: Angiödem

allergische Dermatitis

Erythem

Nicht bekannt: Urtikaria

Hyperhidrose


Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Häufig: muskuloskelettale Steifheit

Nicht bekannt: Muskelrigidität

Muskelspasmus


Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Sehr selten: Galaktorrhö

Gynäkomastie

Menstruationsstörung

Nicht bekannt: sexuelle Dysfunktion


Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen

Nicht bekannt: Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen (siehe Abschnitt 4.6)


Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Müdigkeit

Reaktion an der Injektionsstelle

Nicht bekannt: subkutane Knoten an der Injektionsstelle

vermehrtes Schwitzen am Tag der Injektion

Speichelbildung am Tag der Injektion

Müdigkeit am Tag der Injektion

Gangstörung


Untersuchungen:

Gelegentlich: erhöhtes Körpergewicht


Selten können Überempfindlichkeitsreaktionen durch Benzylalkohol auftreten.


4.9 Überdosierung


Symptome bei Intoxikationen:

Eine Überdosierung kann sich in der Verstärkung der erwünschten oder unerwünschten pharmakologischen Wirkungen (Benommenheit, Sedierung, Störung der Temperatur- und Kreislaufregulation mit Tachykardie, Hypotension, extrapyramidale Symptome (siehe Ab­schnitte 4.4 und 4.8), anticholinerge Effekte, Krampfanfälle oder respiratorische Kompli­kationen) äußern.


Bei klinischen Hinweisen auf eine akute Überdosierung sollte die Möglichkeit einer Intoxi­kation mit mehreren Arzneimitteln in Betracht gezogen werden.


Maßnahmen bei Intoxikationen:

Die Atemwege sind freizumachen und freizuhalten, eine ausreichende Oxygenierung und Beatmung ist sicherzustellen. Die vitalen Funktionen sollten sofort überwacht werden, inklu­sive kontinuierlicher EKG-Ableitung, um mögliche Arrhythmien feststellen zu können. Ventrikuläre Tachyarrhythmien müssen mit Antiarrhythmika behandelt werden.

Es gibt kein spezifisches Antidot für Fluspirilen. Aus diesem Grund sollten geeignete symp­tomatische Maßnahmen durchgeführt werden. Hypotension und Herz-Kreislauf-Versagen sollten mit geeigneten Maßnahmen, wie intravenöser Flüssigkeitsgabe und/oder Sympathomi­metika, behandelt werden. Es sollten keine adrenalinartig wirkende sondern noradrenalinartig wirkende Mittel verwendet werden. Betaagonisten sollten vermieden werden, weil sie die Vaso­dilatation erhöhen. Im Falle schwerer extrapyramidaler Symptome sollte ein Anticholinergikum verabreicht werden. Die sorgfältige Überwachung des Patienten sollte bis zur vollständigen Wiederherstellung weitergeführt werden. Die lange Wirkdauer von Fluspirilen ist zu beachten.


5. Pharmakologische Eigenschaften


5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften


Pharmakotherapeutische Gruppe: Antipsychotika, Diphenylbutylpiperidin-Derivate

ATC-Code: N05AG01


Fluspirilen ist eine psychotrope Substanz aus der Reihe der Diphenylbutylpiperidine. Fluspi­rilen ist, wie in Tierversuchen gezeigt wurde, ein Dopaminantagonist (D2/D3‑Rezeptoren). Hierdurch werden bei Versuchstieren Apomorphin-induzierte Stereotypien gehemmt. Apomor­phin-induziertes Erbrechen wird unterdrückt, Katalepsie ausgelöst und der bedingte Flucht­reflex unterdrückt; außerdem kommt es zu einer Prolaktinerhöhung. Bei chronischer Gabe kann es zu einer Überempfindlichkeit von Dopaminrezeptoren in bestimmten Hirnregionen kommen. Für verschiedene Teilwirkungen kann Toleranz entwickelt werden. Die Wirkung auf die Serotoninrezeptoren (antagonistisch auf 5‑HT2‑Rezeptoren) ist weniger ausgeprägt als die dopaminantagonistische Wirkung, aber im Vergleich zu anderen Antipsychotika recht stark. Nur in hohen Dosen kann Fluspirilen auch auf die Histaminrezeptoren wirken. Die Wirkung auf Alpha-Adrenorezeptoren und cholinerge Rezeptoren ist äußerst gering.


Das klinische Wirkprofil ist charakterisiert durch antipsychotische Wirkungen (Reduktion von Wahn, Halluzinationen, Ich-Störungen sowie Denkstörungen, Dämpfung psychomotorischer und katatoner Erregung, affektiver Gespanntheit sowie manischer Verstimmung und Antriebs­steigerung). Außerdem wirkt Fluspirilen schwach sedierend.


5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften


Die Pharmakokinetik von Fluspirilen wurde nur begrenzt untersucht.


Resorption

Fluspirilen wird intramuskulär langsam und gleichmäßig resorbiert.


Verteilung

Die Plasmaproteinbindung von Fluspirilen beträgt ca. 97%.


Metabolisierung

Fluspirilen wird über Konjugation und N‑Dealkylation verstoffwechselt. Bei der extensiven Metabolisierung von Fluspirilen (Hauptmechanismus oxidative N‑Dealkylierung) werden aktive wie inaktive Metaboliten gebildet.


Elimination

Die Elimination von Fluspirilen aus dem Plasma verläuft nach einer Einzelgabe von 1,5 mg mit einer Halbwertszeit von ungefähr 2 bis 3 Tagen und nach einer wöchentlichen Injektion einer 1,5 mg Dosis über 6 Wochen mit einer Halbwertszeit von 5 Wochen sowohl renal als auch fäkal. Nur ein geringer Anteil (ca. 5%) wird als unveränderte Substanz fäkal ausgeschieden. Weniger als 3% wird unverändert im Urin gefunden. Weniger als 50% wird in 7 Tagen ausgeschieden und ungefähr 70% des Wirkstoffs und der Metaboliten werden nach einer einzelnen intramuskulär verabreichten Dosis innerhalb von 27 Tagen ausgeschieden.


Linearität

Spitzenplasmaspiegel werden innerhalb von 24 Stunden nach der Injektion erreicht. Steady-state-Plasmakonzentrationen werden ab der zweiten Injektion erreicht. Die Pharmakokinetik von IMAP war nach einer wöchentlichen Verabreichung über 6 Wochen linear.


Fluspirilen ist plazentagängig, weitere Daten liegen nicht vor.

Angaben zum Übergang in die Muttermilch speziell für Fluspirilen liegen nicht vor. Generell gehen Antipsychotika jedoch in die Muttermilch über.


5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit


Im Tierversuch traten nach hohen Dosen spezifische und reversible Symptome einer ZNS-Toxizität von Antipsychotika, wie z. B. Störungen von Bewegungsabläufen und Nahrungsauf­nahme, Sedierung und Katalepsie auf. Wiederholte Gaben führten zu Störungen des Stoff­wechsels (Gewichtsreduktion) und des Hormonhaushaltes (Hyperprolaktinämie, Stimulation von Hypophyse und Brustdrüse), die auch mit Veränderungen im Urogenitaltrakt und mit Fertilitätsstörungen einhergingen. Bei Ratten wurden verminderte Trächtigkeitsraten beob­achtet, die auf eine Störung der Implantation schließen lassen. Untersuchungen an Ratten und Kaninchen haben keine Hinweise auf ein teratogenes Potential von Fluspirilen ergeben. Dosen im maternal toxischen Bereich beeinträchtigen die fetale und postnatale Entwicklung von Ratten. Mehrere Mutagenitätstests verliefen negativ, Langzeituntersuchungen auf ein tumor­erzeugendes Potenzial von Fluspirilen liegen nicht vor.



6. Pharmazeutische Angaben


6.1 Liste der sonstigen Bestandteile


Povidon (K17), Benzylalkohol, Polysorbat 80, Natriumdihydrogenphosphat 1 H2O, Dinatrium­hydrogenphosphat, Wasser für Injektionszwecke.


6.2 Inkompatibilitäten


Aufgrund der galenischen Zusammensetzung darf IMAP nicht mit anderen Substanzen gemischt werden.


6.3 Dauer der Haltbarkeit


2 Jahre.


Dieses Arzneimittel soll nach Ablauf des Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.


Nach Anbruch ist die Injektionssuspension noch 2 Wochen haltbar.


6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung


Aufrecht stehend aufbewahren.

Nicht über 25°C lagern.

Nicht einfrieren.


6.5 Art und Inhalt des Behältnisses


Packung mit 1 Durchstechflasche zu 6 ml Injektionssuspension

Packung mit 5 (5 x 1) Durchstechflaschen zu 6 ml Injektionssuspension

Großpackung mit 15 (5 x 3 x 1) Durchstechflaschen zu 6 ml Injektionssuspension

Klinikpackung mit 5 (5 x 1) Durchstechflaschen zu 6 ml Injektionssuspension


6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Hand­habung


Keine besonderen Anforderungen.


Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforde­rungen zu entsorgen.



7. Inhaber der Zulassung


JANSSEN-CILAG GmbH

Johnson & Johnson Platz 1

41470 Neuss

Telefon: (02137) 955-955

Internet: www.janssen-cilag.de




8. Zulassungsnummer


6762098.00.00



9. Datum der Erteilung der Zulassung / Verlängerung der Zulassung


03.12.2004



10. Stand der Information


Dezember 2011



11. Verkaufsabgrenzung


Verschreibungspflichtig


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