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Melperon Beta

Document: 18.05.2012   Fachinformation (deutsch) change

Fachinformation


1. Bezeichnung der Arzneimittel

Melperon beta 25, Filmtabletten

Melperon beta 100, Filmtabletten

Melperon beta, Lösung zum Einnehmen


Melperonhydrochlorid



2. Qualitative und quantitative Zusam­men­setzung

Melperon beta 25 / -100:

1 Filmtablette enthält 25 / -100 mg Mel­peronhydrochlorid.


Sonstiger Bestandteil: Lactose


Melperon beta, Lösung zum Einnehmen:

5 ml Lösung zum Einnehmen enthalten 25 mg Melperonhydrochlorid.


Sonstige Bestandteile: Methyl-4-hydroxy­ben­zoat (Ph.Eur.) (E 218), Propyl-4-hy­droxy­benzoat (Ph.Eur.) (E 216), Sorbitol.


Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1



3. Darreichungsform

Melperon beta 25:

Runde, gelbe bis hellbraune Filmtablette mit einseitiger Teilkerbe. Die Tablette kann in zwei gleiche Hälften geteilt werden.


Melperon beta 100:

Runde, gelbe bis hellbraune Filmtablette mit einseitiger Kreuzbruchkerbe. Die Tablette kann in vier gleiche Teile geteilt werden.


Melperon beta,Lösung zum Einnehmen:

Klare, farblose bis leicht gelbliche Lösung mit fruchtigem Geruch.



4. Klinische Angaben

4.1 Anwendungsgebiete

Zur Behandlung von Schlafstörungen, Verwirrtheitszuständen und zur Dämp­fung von psychomotorischer Unruhe und Erregungszuständen, insbesondere bei Patienten der Geriatrie und Psychiatrie; bei bestimmten geistig-seelischen Störungen (Psychosen, Oligo­phrenie, organisch bedingter Demenz, Psychoneurosen [wenn Tranquilizer wegen Unverträglichkeit oder Abhän­gigkeitsgefahr nicht ange­wendet werden können]) und Alkoholkrankheit.



4.2 Dosierung, Art und Dauer der An­wen­dung

Dosierung und Darreichungsform müssen an die individuelle Reaktionslage, Alter und Gewicht des Patienten sowie Art und Schwere des Krankheitsbildes angepasst werden.

Hierbei gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten.


Bei gleichzeitiger Behandlung mit Lithium und Melperon sollten beide Medikamente so niedrig wie möglich dosiert werden.


Für eine milde beruhigende und vorwie­gend angstlösende Wirkung mit Ver­besserung der Stimmungslage reichen im Allgemeinen 25 bis 75 mg Mel­peronhydrochlorid pro Tag aus.


Die Tagesdosis beträgt bei unruhi­gen und verwirrten Patienten zu Beginn der Behandlung 50 bis 100 mg Mel­peronhydrochlorid; erforderlichenfalls kann sie innerhalb mehrerer Tage auf bis zu 200 mg Melperonhydrochlorid gesteigert werden.


Bei schweren Unruhe- und Verwirrt­heits­zuständen mit Aggressivität sowie wahnhaften und halluzinatorischen Zuständen kann die Tagesdosis auf bis zu 400 mg Melperonhydrochlorid heraufgesetzt werden.


Die Tagesdosis ist auf mehrere Ein­zelgaben zu verteilen, die am besten nach den Mahlzeiten bzw. vor dem Schla­fengehen eingenommen werden. Zur Erzielung eines stärker beruhigenden Effektes kann am Abend eine höhere Dosis gewählt werden.


Eine Pharmakotherapie ist bei geriatri­schen Patienten aufgrund der meist höheren Empfindlichkeit auf Medi­ka­mente vorsichtig durchzuführen. Oft reicht eine niedrige Dosis aus.


Bei anamnestisch bekannten Nieren, Leber- Kreislauffunktionsstörungen sollte Melperon beta* vorsichtig dosiert werden und die entsprechenden Funktionen in regelmäßigen Abständen überprüft werden.


Zur Dosierung von Melperon beta Lösung wird der beiliegende Messbecher bis zur entsprechenden Markierung gefüllt (Einteilungen bei 2,5; 5; 10; 15 und 20 ml).


Die Filmtabletten sind mit Flüssigkeit einzunehmen.


Eine Einnahme in Kaffee, Tee und Milch ist zu vermeiden.


Die Therapie mit Melperon kann normalerweise zeitlich unbegrenzt fortgeführt werden. Die erwünschten antipsychotischen Effekte treten manchmal erst nach einer zwei- bis dreiwöchigen Therapie auf.

*
Alle für Melperon betagemachten Angaben gelten für Melperon beta 25, Melperon beta 100und Melperon beta,Lösung zum Einnehmen.



4.3 Gegenanzeigen



4.4 Besondere Warnhinweise und Vor­sichtsmaßnahmen für die An­wen­dung

Melperon betadarf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei:


Klinische Hinweise zeigen, dass MeI­peron bei Krampfzeichen im EEG sowie bei klinischer Krampfanamnese eine die antikonvulsive Therapie unterstützende Wirkung hat. Anfallskranke sollten dennoch nur unter Beibehaltung der antikonvulsiven Therapie mit Mel­peron betabehandelt werden.


Über Spätdyskinesien im zeitlichen Zu­­sammenhang mit der Anwendung von Melperon, gemeinsam mit anderen po­tentiell Spätdyskinesien auslösenden Pharmaka, wurde nur in Einzelfällen berichtet.


Obgleich die Prävalenz von Spät­dys­ki­nesien durch Neuroleptika noch nicht hinreichend erforscht ist, scheint es so, dass ältere Patienten, insbesondere ältere Frauen, dafür besonders prädisponiert sind.


Das Risiko der Spätdyskinesien nimmt vermutlich mit der Therapiedauer und der Höhe der neuroleptischen Dosie­rung zu. Allerdings kann sich eine Spät­­dyskinesie auch schon nach kurzer Behandlungsdauer und niedriger Do­sierung entwickeln.

Die neuroleptische Behandlung selbst kann die Symptome einer beginnenden Spätdyskinesie zunächst maskieren. Nach Absetzen der Medikation tritt diese dann sichtbar in Erscheinung.


Vor einer Behandlung mit Melperon betaist das Blutbild (einschließlich des Differentialblutbildes sowie der Throm­bozytenzahl) zu kontrollieren. Bei von der Norm abweichenden Blutwerten darf eine Behandlung mit Melperon betanur bei zwingender Notwendigkeit und unter häufigen Blutbildkontrollen erfolgen.


Bei Auftreten von hohem Fieber und Muskelstarre ist an ein malignes neuro­leptisches Syndrom zu denken (siehe Abschnitt 4.8), das nicht selten als Katatonie fehldiagnostiziert wird. Da hier eine erneute Neuroleptikum-Gabe lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann, ist die Differentialdiagnose von entscheidender Bedeutung (Medika­men­tenanamnese, Prüfung auf Rigor, Fieber sowie CK-Anstieg im Blut oder Harn).


Während der Behandlung mit Melperon kann es in Einzelfällen zu Agranulozyto­se kommen. Die Patienten sollten angehalten werden, bei Fieber, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen, Halsschmerzen oder eitriger Angina sowie grippeähnlichen Symptomen, insbesondere wenn diese Symptome innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der medikamentösen Behandlung auf­treten, keine Selbstmedikation mit Anal­getika durchzuführen, sondern sofort Ihren behandelnden Arzt aufzusuchen.


Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen

Die Daten zweier großer Anwendungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt wurden, einem leicht erhöhten Mortalitätsrisiko im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika Behandelten ausgesetzt sind. Anhand der vorliegenden Studiendaten kann eine genaue Höhe dieses Risikos nicht angegeben werden und die Ursache für die Risikoerhöhung ist nicht bekannt.


Aufgrund dieser Risiken ist im Einzelfall durch den behandelnden Arzt zu prüfen, ob Melperon beta zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, angewendet werden soll.


Patienten/Pflegepersonal sollten dazu angehalten werden, dass sie Anzeichen für ein mögliches cerebrovaskuläres Ereignis wie plötzliche Erschlaffung, Taubheit in Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- oder Sehstörungen unverzüglich an den behandelnden Arzt berichten sollen. Unverzüglich sind alle Behandlungsmöglichkeiten oder ein Abbruch der Therapie mit Melperon beta in Betracht zu ziehen.


Erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten cerebrovaskulären Ereignissen

In randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wurden, wurde ein etwa um das dreifache erhöhtes Risiko für unerwünschte cerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet. Der Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, ist unbekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt. Meperon beta sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden.


Thromboembolie-Risiko

Im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika sind Fälle von venösen Thromboembolien (VTE) berichtet worden. Da Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE aufweisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung mit Meperon beta identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden.


Hilfsstoffe

Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Melperon beta 25/ -100nicht einnehmen.


Patienten mit der seltenen hereditären Fructose-Intoleranz sollten Melperon betaLösung nicht einnehmen.



4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arz­neimitteln und sonstige Wechsel­wirkungen

Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Melperon kann zu einer Verstär­kung der Alkoholwirkung führen.


Bei kombinierter Anwendung mit zentraldämpfenden Pharmaka (Schlaf­mittel, Schmerzmittel, andere Psycho­pharmaka, Antihistaminika) kann es zu verstärkter Sedierung oder Atem­depression kommen. Bei gleichzeitiger Gabe mit trizyklischen Anti­depressiva kann es zu einer gegenseitigen Wir­kungs­verstärkung kommen.


Die Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten kann bei gleichzeitiger Ein­nahme von Melperon verstärkt werden.


Bei gleichzeitiger Behandlung mit Dopaminagonisten (z.B. Levodopa oder Lisurid) kann die Wirkung des Dopa­minagonisten abgeschwächt werden.


Bei kombinierter Anwendung von Neuroleptika und anderen Dopamin­antagonisten (z.B. Meto­clopramid) kann es zu einer Verstärkung der extrapyramidalmotorischen Wirkungen kommen.


Bei gleichzeitiger Anwendung von Mel­peron mit Medikamenten, die eine anti­cholinerge Wirkung besitzen (z.B. Atropin), kann diese Wirkung verstärkt werden. Diese kann sich in Sehstörun­gen, Erhöhung des Augeninnendrucks, Mund­trockenheit, beschleunigtem Herz­schlag, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Störungen der Spei­chel­sekretion, Sprechblockade, Ge­dächt­nisstörungen oder vermindertem Schwit­zen äußern.


Obwohl es unter Melperon nur zu einer relativ geringen und kurzfristigen Erhöhung des Prolaktin-Spiegels kommt, kann die Wirkung von Prolaktinhemmern, wie z.B. Gonadorelin, abgeschwächt werden. Diese Wechselwirkung wurde unter Melperon zwar bisher nicht beobachtet, kann aber nicht ausgeschlossen werden.


Die gleichzeitige Anwendung von Arz­neimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern (z.B. Antiar­rhytmika Klasse IA oder III, Makrolid-Antibiotika, Anti­histaminika), zu einer Hypokaliämie führen (z.B. bestimmte Diuretika) oder den hepatischen Abbau von Melperon hemmen können (z.B. Cimetidin, Fluoxetin) ist zu vermeiden.


Die folgenden Wechselwirkungen wur­den unter Melperon bisher nicht beobachtet, können aber aufgrund der adrenergen Wirkung nicht ausgeschlossen werden:

- Stimulantien vom Amphetamin-Typ: Verminderung des stimulierenden Effektes des Amphetamins; Ver­minderung des antipsychotischen Effektes von Melperon

- Epinephrin (Adrenalin): Paradoxe Hypotension, Tachykardie

- Phenylephrin: Wirkungs­ab­schwächung von Phenylephrin

- Dopamin: Durch Melperon kann die periphere Vasodilatation (z.B. Arteria renalis) bzw. bei hoher Dosis von Dopamin die Vasokonstriktion antagonisiert werden.


Butyrophenone können mit Kaffee, Tee und Milch schwerlösliche Komplexe bilden. Dadurch kann die Resorption von Melperon beeinträchtigt, und so dessen Wirkung abgeschwächt werden.



4.6 Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Für Melperon liegen keine klinischen Daten über exponierte Schwangere vor.

Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Daher soll Melperon in der Schwangerschaft nicht verordnet werden.


Falls Melperon einer Patientin im reproduktionsfähigen Alter verschrieben wird, sollte diese darauf hingewiesen werden, sich unverzüglich mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen, wenn sie schwan­ger zu werden wünscht oder eine Schwangerschaft vermutet.


Neugeborene, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Melperon beta) exponiert sind, sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können.

Es gab Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tremor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme. Dementsprechend sollten Neugeborene sorgfältig überwacht werden.


Stillzeit

Da nicht bekannt ist, in welchem Aus­maß der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, muss abgestillt werden, wenn eine Anwendung während der Stillzeit zwingend erforderlich ist.



4.7 Auswirkungen auf die Verkehrs­tüch­­tigkeit und die Fähigkeit zum Be­dienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei be­stimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teil­nahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.


Daher sollte das Führen von Fahr­zeugen, das Bedienen von Maschinen oder sonstige gefahrvolle Tätigkeiten - zumindest während der ersten Phase der Behandlung - ganz unterbleiben. Die Entscheidung in jedem Einzelfall trifft der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Re­ak­tion und der jeweiligen Dosierung.



4.8 Nebenwirkungen

Therapeutische Dosen haben in der Regel keinen oder nur einen geringen Einfluss auf Atmung, Kreislauf, Verdauung, Harnausscheidung und Leberfunktion.


Untersuchungen

Das Auftreten einer ausgeprägten Hy­ponatriämie kann nicht ausgeschlossen werden.


Herz- und Gefäßerkrankungen

Bei der Behandlung mit Melperon kön­nen, insbesondere zu Beginn der Be­handlung bzw. bei höherer Dosierung, Hypotonie bzw. orthostatische Dys­re­gulation und eine reflektorische Beschleunigung der Herzfrequenz auftreten. Melperon kann das QT-lntervall im EKG verlängern; u. U. können Torsades de Pointes auftreten. In diesen Fällen ist die Behandlung mit Melperon abzubrechen.


Bei Patienten mit Erkrankungen des Herzens sollten regelmäßig EKG-Kontrollen durchgeführt werden.


Bei Immobilisierung, Bettlägerigkeit und/oder entsprechender Prädisposition ist bei allen sedierenden Psychopharmaka, so auch bei Melperon, die Gefahr einer Thrombose in Bein- und Beckenvenen zu beachten.


Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar):

Fälle von Thromboembolien (einschließlich Fällen von Lungenembolie und Fällen von tiefer Venenthrombose).


Erkrankungen des Blutes und des Lymph­systems

Blutzellschäden in Form von Leukope­­nie, Thrombozytopenie und Panzytope­nie, sehr selten Agranulozytose, kön­nen vorkommen (siehe Abschnitt 4.4).


Erkrankungen des Nervensystems

Insbesondere zu Beginn der Behandlung kann Müdigkeit auftreten.


Insbesondere bei hoher Dosierung oder bei besonderer individueller Re­ak­­ti­ons­­bereitschaft können Störun­­gen im Bereich der unwillkürlichen Be­­we­gung­sab­läu­fe (extrapyramidale Be­­gleit­­symptome) auf­treten, die sich in Form von Frühdyskine­­sien (krampfarti­ges Herausstrecken der Zunge, Ver­kram­pfung der Schlundmuskulatur, okulo­gyre Krisen, Schiefhals, Ver­stei­fun­gen der Rückenmuskulatur, Kiefer­muskelkrämpfe), einem Parkinson-Syn­drom (Zittern, Steifigkeit) und Akathisie (Bewegungsunruhe) manifestieren können.


Frühdyskinesien und Parkinson Syn­dro­­me sind durch Dosisreduktion und/oder Verabreichung von anticholinergen Antiparkinsonmitteln (z.B. Biperiden) beherrschbar. Diese Symptome sind nach Absetzen des Neuroleptikums voll reversibel. Die Behandlung der Akathi­sie ist schwierig; zunächst kann eine Dosisreduktion versucht werden, bei Erfolglosigkeit kann ein Therapieversuch mit Sedativa, Biperiden, Hypnotika oder Betarezeptorenblockern durchgeführt werden.


Einzelfälle von Spätdyskinesien sind im zeitlichen Zusammenhang der Be­handlung mit Melperon aufgetreten. Je­doch wurde in allen Fällen gleichzeitig oder früher mit anderen Pharmaka, für die diese Nebenwirkungen bekannt sind, behandelt. Eine gesicherte Therapie dieser Nebenwirkungen ist derzeit nicht bekannt.


Wie bei anderen Neuroleptika, wurde auch während einer Behandlung mit Mel­peron ein malignes neuroleptisches Syndrom beobachtet, eine seltene, idiosynkratische Reaktion, die durch Hyperthermie, generalisier­te Mus­kelrigidität, Kreislauf- und Be­wusst­­seinsstörungen gekennzeichnet ist. Hyperthermie ist oft ein frühes Warn­zeichen dieses Syndroms.

Die antipsychotische Medikation sollte so­fort beendet und intensivmedizinische Maßnahmen eingeleitet werden.


Das Auftreten von Kopfschmerzen kann nicht ausgeschlossen werden.


Augenerkrankungen

Akkommodationsstörungen, Erhöhung des Augeninnendrucks


Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö und Appe­tit­­verlust, Mundtrockenheit, Obsti­pation


Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Miktionsstörungen


Erkrankungen der Haut und des Unter­hautzellgewebes

Über allergische Hautreaktionen (Exan­theme) während der Therapie mit Buty­rophenonen wurde berichtet.


Allgemeine Erkrankungen und Be­schwerden am Verabreichungsort

Gewichtszunahme; das Auftreten von Regulationsstörungen der Körper­tem­peratur und ein Gefühl der verstopften Nase kann nicht ausgeschlossen werden.


Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen

Nicht bekannt (Häufigkeit auf der Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar): Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen (siehe Abschnitt 4.6)


Leber- und Gallenerkrankungen

Selten können passagere Erhöhungen der Leberenzymaktivitäten, Abfluss­störungen der Galle (intrahepatische Cholestase) und Ikterus auftreten.


Erkrankungen der Geschlechtsorganeund der Brustdrüse

Vereinzelt können Menstruationsstörungen, Galaktorrhö, Gynäkomastie, sexuelle Funktionsstörungen auftreten.


zusätzlich für Melperon beta Lösung:

Methyl-4-hydroxybenzoat (E 218) und Propyl-4-hydroxybenzoat (E 216) können Überempfindlichkeitsreaktionen, auch Spätreaktionen, hervorrufen.



4.9 Überdosierung

Wegen der großen therapeutischen Breite von Melperon treten Intoxikatio­nen nur bei massiver Überdosierung auf. Nicht alle aufgeführten Symptome wurden bei einer Intoxikation mit Mel­peronhydrochlorid beobachtet, können aber aufgrund des Wirkprofiles nicht ausgeschlossen werden.

Symptome einer Intoxikation können sein:


Die Therapie erfolgt symptomatisch und unterstützend, orientiert an den allgemeinen Prinzipien der Vorgehensweise bei Überdosierungen, mit folgenden Besonderheiten:



5. Pharmakologische Eigenschaften

5.1 Pharmkodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe:

Antipsychotika, Butyrophenon-Derivate

ATC-Code: N05 AD03


Melperon ist ein schwach bis mittelstark wirksames Neuroleptikum aus der Reihe der Butyrophenone. Wie im Tierversuch gezeigt wurde, rufen Butyrophenone eine Blockade der Dopaminrezeptoren hervor und verringern dadurch die Wirkung des Dopamin als Überträgersubstanz.


Melperon zeigt bei In-vitro-Versuchen eine um etwa den Faktor 200 schwächere Affinität zu D2-Rezeptoren als Haloperidol. In-vitro zeigt Melperon eine im Vergleich zur antidopaminergen Wirkung starke Antiserotonin-Wirkung.


Sowohl die zentrale, als auch die periphere anticholinerge und antihistaminerge Wirkung von Melperon ist kaum messbar.


Melperon führt dosisabhängig zunächst zu einer affektiven Entspannung mit erhöhter Schlafbereitschaft, und erst bei höheren Dosierungen tritt eine antipsychotische Wirkung im Sinne einer Beeinflussung von Sinnestäuschungen, Wahnvorstellungen und Autismus ein.

Neben diesen für schwach potente Neuroleptika typischen Hauptwirkungen sind für Melperon muskelrelaxierende sowie antiarrhythmische Wirkungen beschrieben worden.


Im Gegensatz zu anderen Neuroleptika hat Melperon in therapeutischen Dosen keinen negativen Einfluss auf die Höhe der zerebralen Krampfschwel­le; Untersuchungen deuten darauf hin, dass es bei Anwendung im therapeutischen Dosisbereich eher zu einer geringgradigen Anhebung der Krampfschwelle kommt.


Die Wirkung auf das extrapyramidal motorische System ist bei Melperon nur schwach ausgeprägt.



5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Melperon wird nach oraler Gabe rasch und vollständig resorbiert und unterliegt einem hohen First-Pass-Effekt.


Maximale Plasmakonzentrationen wurden bei oraler Verabreichung nach 1 bis 1,5 Stunden gemessen. Nach intramuskulärer Injektion werden maximale Plasmaspiegel bereits nach 30 Minuten erreicht.


Höhere Dosen führen zu einem nicht linearen, relativ stärkeren Anstieg der maximalen Plasmakonzentration, der wahrscheinlich auf eine Sättigung der hepatischen Metabolisierung zurückzuführen ist.


Die Plasmaeiweißbindung liegt bei 50 % (davon 18 % an Serumalbumin); das Ver­teilungsvolumen nach intravenöser Gabe bei 7 bis 10 l/kg KG. Die Bio­verfügbarkeit beträgt nach oraler Gabe ca. 60 %.


Resorption und Serumkonzentration wer­den durch Nahrungsaufnahme nicht beeinträchtigt.


Melperon wird rasch und nahezu vollständig in der Leber metabolisiert; im Tierversuch konnten im Urin eine Reihe von Metaboliten nachgewiesen werden; 5 bis 10 % der Substanz werden renal unverändert eliminiert. Die Eli­minationshalbwertszeit nach oraler Appli­kation wurde bei Einmalgabe mit 4 bis 6 Stunden ermittelt, bei wiederholter Gabe steigt die Eliminationshalbwerts­zeit auf etwa 6 bis 8 Stunden an. Nach intramuskulärer Applikation liegt die Plasma-Halbwertszeit bei ca. 6 Stunden.


Es liegen keine Angaben darüber vor, ob die Metabolisierung von Melperon durch enzyminduzierende Substanzen (z.B. Phenobarbital, Phenytoin, Carba­mazepin) beschleunigt wird, wie das von anderen Butyrophenonderivaten be­kannt ist.



5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Akute toxische Wirkungen von Mel­peron betreffen vorwiegend das zentrale Nervensystem, das vegetative Nervensystem und das Herz-Kreis­laufsystem (siehe Abschnitt 4.9). Untersuchungen zur chronischen Toxi­zität an Ratten und Hunden ergaben dosisabhängig Störungen der Kör­per­gewichtsentwicklung sowie vor­wiegend neurologische Symptome (Sedierung, Salivation, Ptosis, Ataxie und Koordi­nationsstörungen). Hohe Dosen verursachten darüber hinaus vereinzelt Hypothermie, Hyperpnoe, Kollaps und Krämpfe.


Bisherige In-vitro- und In-vivo-Tests zur genetischen Toxikologie mit Melperon verliefen negativ. Kanzeroge­ni­täts­stu­dien an Ratten und Mäusen ergaben keine Hinweise auf ein tumorerzeugendes Potential.


Embryotoxizitätsuntersuchungen an Rat­ten und Kaninchen haben keine Hin­weise auf ein erhöhtes Fehlbil­dungsrisiko ergeben. Eine Fertilitäts­studie mit Be­urteilung der postnatalen Entwicklung der Nachkommen an Ratten ergab eine verminderte Paarungsbereitschaft und eine Verlängerung der Tragzeit bei den behandelten Elterntieren. Die Fertilität war weder bei den Elterntieren noch bei den Nachkommen beeinträchtigt. Die Jungtiere zeigten normale Wachstums- und Überlebensraten.


Melperon wirkt am Herzen wie ein Klasse-III-Antiarrhythmikum und verlängert im therapeutisch relevanten Konzentrationsbereich (10-6M) die kardiale Aktionspotentialdauer in vitro. Durch die Verzögerung der kar­di­alen Repolarisation können be­stimmte Formen von ventrikulären Herz­rhyth­musstörungen bis zum Kam­merflimmern auslöst werden.



6. Pharmazeutische Angaben

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Melperon beta 25/ -100:

Lactose-Monohydrat, mikrokristalline Cel­lulose, Carboxymethylstärke-Na­tri­­­­­um (Typ A)(Ph.Eur.), hochdisper­sesSili­ci­­um­dioxid,Magnesiumstea­rat(Ph.Eur.), Hypromellose, Macrogol 4000, Titandi­oxid(E 171) und Eisen(III)-hydroxid-oxid(E 172).


Melperon beta, Lösung:

Gereinigtes Wasser, Sorbitol-Lösung 70 % (Ph.Eur.) (nicht kristallisierend) (E 420), wasserfreieCitronensäure(Ph.Eur.), Car­mellose-Natrium, Methyl-4-hy­droxy­­benzoat (Ph.Eur.) (E 218), Propyl-4-hy­droxybenzoat (Ph.Eur.) (E 216),Aroma­stoffe.



6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend



6.3 Dauer der Haltbarkeit

Melperon beta, Lösung:

3 Jahre,

nach Anbruch 8 Wochen haltbar.


Melperon beta 25/ -100:

5 Jahre



6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Melperon beta, Lösung, Melperon beta 25:

Für dieses Arzneimittel sind keine be­sonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.


Melperon beta 100:

Nicht über 25 °C lagern.


6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Melperon beta 25/ -100:

PVC/Aluminium-Blisterpackung

Packungen mit 20, 50 und 100 Filmtabletten

Klinikpackung mit 5 x 50 Filmtabletten bzw. 10 x 100 Filmtabletten


Melperon beta,Lösung:

Braunglas-Flasche mit PP/PE-Schraubdeckel, PE-Ausgießer und PP-Mess­becher

Packungen mit 100ml, 200 ml und 300 ml Lösung zum Einnehmen

Klinikpackungen mit 20 x 200 ml Lösung zum Einnehmen


6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.



7. Pharmazeutischer Unternehmer

betapharmArzneimittel GmbH

Kobelweg 95

86156 Augsburg


Telefon 08 21/74 88 10

Telefax 08 21/74 88 14 20

e-mail info@betapharm.de


Unsere Service-Nummern für Sie:

Telefon 08 00/74 88 100

Telefax 08 00/74 88 120



8. Zulassungsnummern

Melperon beta 25,Filmtabletten:

37928.00.01

Melperon beta 100,Filmtabletten:

37928.01.01

Melperon beta,Lösung zum Einnehmen:

37928.00.00



9. Datum der Verlängerung

Melperon beta 25 / -100:9.10.2006

Melperon beta,Lösung: 23.07.2003



10. Stand der Information

Februar 2012



11. Verkaufsabgrenzung

Verschreibungspflichtig


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