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Temagin Pac

Document: 07.01.2009   Fachinformation (deutsch) change



Fachinformation


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mibe+ Logo Temagin®pac

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1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS


Temagin®pac


Acetylsalicylsäure (Ph.Eur.) 250 mg, Paracetamol 250 mg und Coffein 50 mg


Tablette



2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure (Ph. Eur.), Paracetamol und Coffein


1 Tablette enthält:

Acetylsalicylsäure (Ph. Eur.) 250 mg

Paracetamol 250 mg

Coffein 50 mg


Sonstiger Bestandteil: Lactose-Monohydrat


Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.



3. DARREICHUNGSFORM


Tablette


Die Tablette besitzt eine einseitige Bruchkerbe. Die Bruchkerbe dient nur zum Teilen der Tablette für ein erleichtertes Schlucken und nicht zum Aufteilen in gleiche Dosen.



4. KLINISCHE ANGABEN


4.1 Anwendungsgebiete

Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bei

akuten leichten bis mäßig starken Schmerzen.


Hinweis:

Schmerzmittel sollen längere Zeit oder in höheren Dosen nicht ohne Befragen des Arztes angewendet werden.


4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung


Soweit nicht anders verordnet, nehmen Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren 1 bis 2 Tabletten Temagin®pac (entsprechend 250 bis 500 mg Acetylsalicylsäure, 250 bis 500 mg Paracetamol und 50 bis 100 mg Coffein) ein, wenn erforderlich bis zu 3-mal täglich (in der Regel im Abstand von 4 bis 8 Stunden).


Die Tageshöchstdosis beträgt für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren 3-mal 2 Tabletten Temagin®pac (entsprechend 1500 mg Acetylsalicylsäure, 1500 mg Paracetamol und 300 mg Coffein).


Art der Anwendung


Die Tabletten sind in etwas Flüssigkeit gelöst oder unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit einzunehmen.

Die Einnahme nach den Mahlzeiten kann zu einem verzögerten Wirkungseintritt führen.


Dauer der Anwendung


Schmerzmittel sollen ohne ärztlichen oder zahnärzt­lichen Rat nicht länger als 3 bis 4 Tage und nicht in höherer Dosierung angewendet werden.


4.3 Gegenanzeigen


Temagin®pac darf nicht eingenommen werden bei:


- bekannter Überempfindlichkeit gegen Salicylate oder Paracetamolund / oder Coffein oder einen der sonstigen Bestandteile von Temagin®pac


- Magen-Darm-Ulzera


- erhöhter Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese)


- Schwangerschaft im letzten Trimenon


- Kindern und Jugendlichen bis 12 Jahren


- schwerer hepatozellulärer Insuffizienz (Child-Pugh >9).


Temagin®pac darf nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden bei:


- Asthma bronchiale


- gleichzeitiger Therapie mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln (z. B. Cumarinderivate, Heparin mit Ausnahme niedrig dosierter Heparin-Therapie)


- Überempfindlichkeit gegen andere Entzündungs-­ hemmer/Antirheumatika oder andere allergene Stoffe


- chronischen und wiederkehrenden Magen- oder Darm­- beschwerden


- vorgeschädigter Niere


- schweren Leberfunktionsstörungen


- Gilbert-Syndrom (Meulengracht-Krankheit).


4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung


Die gewohnheitsmäßige Einnahme von Schmerzmitteln ist gefährlich. Sie kann zu irreparablen Gesundheits­schäden führen.


Ganz allgemein kann die langfristige Einnahme von Schmerzmitteln, insbesondere bei Kombination mehrerer schmerzstillender Wirkstoffe, zur dauerhaften Nieren­schädigung mit dem Risiko eines Nierenversagens (Anal­getika-Nephropathie) oder Herzinsuffizienz führen.


Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Temagin®pac nicht einnehmen.


Hinweise:

Über die Anwendung der fixen Kombination bei Kindern und Jugendlichen bis 12 Jahren liegen keine ausreichenden Erkennt­nisse vor. Darüber hinaus soll wegen des Anteils an Acetylsalicylsäure die fixe Kombination bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen nur auf ärztliche Anweisung und nur dann angewendet werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirken. Sollte es bei diesen Erkrankungen zu langanhaltendem Erbrechen kommen, so kann dies ein Zeichen des Reye-Syndroms sein, einer sehr seltenen, aber unter Umständen lebensbedrohlichen Krankheit, die unbedingt sofortiger ärztlicher Behandlung bedarf.


Bei Patienten mit Hyperthyreose sollte das Schmerz­mittel nur auf ärztliche Anordnung eingenommen werden.


Ohne ärztliche Verordnung soll das Arzneimittel nur kurzfristig zur Behebung akuter Schmerzen eingenommen werden, denn aufgrund der derzeitigen Datenlage kann nicht ausgeschlossen werden, dass die kombinierte Lang­zeitanwendung der Wirkstoffe Paracetamol und Acetyl­salicylsäure in diesem Arzneimittel zu einer höheren Nierentoxizität führen könnte als die Anwendung der Einzelsubstanzen.


Durch die fiebersenkende Wirkung kann eine Besserung der Erkrankung vorgetäuscht werden. Gegebenenfalls ist ärztlicher Rat einzuholen.

Personen, die durch Krankheit oder berufliche Exposi­tion oder aufgrund familiärer Disposition eine Schädi­gung der Niere erlitten haben, insbesondere auch bei wiederholtem Auftreten von Infektionen und Entzün­dungen der Niere und der ableitenden Harnwege, sollten dieses Arzneimittel nicht oder nur in Einzelfällen einnehmen. Die häufigere Einnahme sollte ebenfalls vermieden werden bei Diabetes mellitus, Alkoholismus, Rheumatherapie, Dehydratation (z. B. nach Durchfällen, hohen Außentemperaturen, exzessiver körperlicher Bela­stung mit starkem Schwitzen), chronisch zu niedrigem Blutdruck, Traumen (siehe 4.5 "Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen").


Bei längerem hochdosierten, nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch von Analgetika können Kopfschmerzen sowie Müdigkeit, Muskelschmerzen, Nervosität und vegetative Symptome auftreten. Diese Absetzsymptomatik klingt innerhalb weniger Tage ab. Bis dahin soll die Wieder­einnahme von Schmerzmitteln unterbleiben und die er­neute Einnahme nicht ohne ärztlichen Rat erfolgen.


Bei Einnahme vor operativen Eingriffen ist der Arzt/ Zahnarzt zu befragen bzw. zu informieren.


Bei Patienten, die in der Vergangenheit bereits unter Magen- und Darm-Ulzerationen gelitten haben, und bei Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden sowie bei Patien­ten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion oder Herzinsuffizienz ist eine besonders sorgfältige Über­wachung der Behandlung erforderlich. Bei Auftreten von schwarzem Stuhl (Teerstuhl) ist sofort der Arzt zu be­nachrichtigen.
Der Einsatz des Arzneimittels darf bei Patienten, die überempfindlich oder mit asthmaähnlichen Zuständen auf Salicylate oder verwandte Stoffe reagieren, nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen erfolgen (Notfall­bereitschaft). Patienten mit Asthma oder Nasen­schleimhautschwellung (sog. Nasenpolypen) reagieren häufiger als andere Kranke auf nicht-steroidale Antirheumatika mit Asthmaanfällen, ört­licher Haut- oder Schleimhautschwellung. Entsprechendes gilt generell für Allergiker.

Acetylsalicylsäure vermindert in niedriger Dosierung die Harnsäureausscheidung. Bei prädisponierten Patien­ten kann dies unter Umständen einen Gichtanfall aus­lösen.


4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen


Acetylsalicylsäure erhöht / verstärkt


- die Wirkung von Antikoagulanzien (z. B. Cumarin-­ derivate, Heparin)


- das Risiko einer Magen-Darmblutung bei gleichzeiti­ger Behandlung mit Corticoiden oder bei gleichzei­tigem Alkoholkonsum


- die Plasma-Konzentration von Digoxin oder Bar-­ bituraten sowie Lithium


- die Wirkungen aller nicht-steroidaler Rheumamittel


- die Wirkung von oralen Antidiabetika (Sulfonyl-­ harnstoffen)


- die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Methotrexat


- die Wirkung von chemotherapeutisch wirksamen Sulfonamiden inklusive Cotrimoxazol


- die Wirkung von Liothyronin.


Acetylsalicylsäure vermindert die Wirkung von:


- Aldosteronantagonisten (Spironolacton, Canrenoat)


- Schleifendiuretika (z. B. Furosemid)


- Antihypertonika


- Urikosurika.


Die Einnahme von Probenecid hemmt die Bindung von Paracetamol an Glucuronsäure und führt dadurch zu einer Reduzierung der Paracetamol-Clearance um ungefähr den Faktor 2. Bei gleichzeitiger Einnahme von Probenecid sollte die Paracetamoldosis verringert werden.


Salicylamide können zu einer Verlängerung der Eliminationshalbwertszeit von Paracetamol führen.


Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die zur Enzyminduktion in der Leber führen, wie z.B. spezielle Schlafmittel und Antiepileptika (u. a. Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin) sowie Rifampicin, können auch durch sonst unschädliche Dosen von Paracetamol Leberschäden hervorgerufen werden. Gleiches gilt bei Alkoholmissbrauch. Durch die gleichzeitige Einnahme von Mitteln, die zu einer Verlangsamung der Magenentleerung führen, wie z.B. Propanthelin, können die Aufnahme und der Wirkungs­eintritt von Paracetamol verzögert werden.

Die gleichzeitige Einnahme von Mitteln, die zu einer Beschleunigung der Magenentleerung führen, wie z B. Metoclopramid, kann eine Beschleunigung der Auf­nahme und des Wirkungseintritts von Paracetamol bewirken.


Cholestyramin verringert die Aufnahme von Paracetamol.


Bei gleichzeitiger Gabe von Paracetamol und Chlor­amphenicol kann die Ausscheidung von Chloramphenicol deutlich verringert sein mit dem Risiko der erhöhten Toxizität.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Paracetamol und Zidovudin wird die Neigung zur Ausbildung einer Neu­tropenie verstärkt. Dieses Arzneimittel soll daher nur nach ärztlichem Anraten gleichzeitig mit Zidovudin angewendet werden.


Coffein wirkt antagonistisch gegenüber den sedativen Wirkungen zahlreicher Substanzen, wie z. B. Barbitura­ten, Antihistaminika etc. Coffein wirkt synergistisch gegenüber den tachykarden Wirkungen von z. B. Sympa­thomimetika, Thyroxin etc. Bei Substanzen mit breitem Wirkungsspektrum können die Wechselwirkungen im ein­zelnen unterschiedlich und nicht voraussehbar sein (z. B. Benzodiazepine). Orale Kontrazeptiva, Cimetidin und Disulfiram vermindern den Coffein-Abbau in der Leber. Barbiturate und Rauchen beschleunigen ihn. Die Ausscheidung von Theophyllin wird durch Coffein herab­gesetzt. Coffein erhöht das Abhängigkeitspotenzial von Substanzen vom Typ des Ephedrin.


Die gleichzeitige Verabreichung von Gyrasehemmstoffen des Chinoloncarbonsäure-Typs kann die Elimination von Coffein und seinem Abbauprodukt Paraxanthin verzögern.


Es gibt keine Evidenz, dass ein mögliches Abhängig­keitspotenzial von Analgetika wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol durch Coffein erhöht wird. Auch wenn es aufgrund theoretischer Überlegungen angenommen werden kann, wird aufgrund des derzeitigen Erkenntnis­materials ein eigenständiges Missbrauchspotenzial von Coffein in Kom­bination mit Acetylsalicylsäure oder Paracetamol nicht belegt.


Die Langzeitanwendung der fixen Kombination kann bei gleichzeitiger Exposition mit nephrotoxischen Sub­stanzen, vorbestehender Nierenschädigung, genetischer Disposition oder Syndromen, die zu einer Nierenschä­digung disponieren, zu einem erhöhten Erkrankungs­risiko für eine Analgetika-Nephropathie führen.


Auswirkungen auf Laborwerte


Die Einnahme von Paracetamol kann die Harnsäurebestimmung mittels Phosphorwolframsäure sowie die Blutzuckerbestimmung mittels Glucose-Oxydase-Peroxydase beeinflussen.


Schwangerschaft und Stillzeit


Schwangerschaft

Da der Einfluss einer Prostaglandinsynthese-Hemmung auf die Schwangerschaft ungeklärt ist, sollte Temagin®pac im 1. und 2. Trimenon nicht eingenommen werden.


Es liegen keine Erfahrungen zur Sicherheit des Kombinationspräparates in der Schwangerschaft vor.


Aus Untersuchungen an zahlreichen (923) Mutter-Kind-Paaren haben sich keine Hinweise auf einen Zusammen­hang zwischen der Anwendung von Paracetamol während der ersten drei bis vier Monate der Schwangerschaft und dem Auftreten von Fehlbildungen ergeben. Dennoch sollte Paracetamol während der Schwangerschaft nur unter strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhält­nisses angewendet werden. Paracetamol sollte nicht über längere Zeit, in hoher Dosierung oder in Kombi­nation mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden, da die Sicherheit der Anwendung für diese Fälle nicht belegt ist.

Eindeutige epidemiologische Befunde für ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko durch Acetyl­salicylsäure liegen für den Menschen nicht vor.

Die Einnahme von Salicylaten im 1. Trimenon der Schwangerschaft ist in verschiedenen epidemiologischen Studien mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko (Gaumenspalten, Herz­missbildungen) in Zusammenhang gebracht worden. Dieses Risiko scheint bei normalen therapeutischen Dosen jedoch gering zu sein, da eine prospektive Studie mit ca. 32.000 exponierten Mutter-Kind-Paaren keine Assoziation mit einer erhöhten Fehlbildungsrate ergab.

Im letzten Trimenon der Schwangerschaft kann die Ein­nahme von Salicylaten zu einer Verlängerung der Gestationsdauer und zur Wehenhemmung führen. Bei Mutter und Kind ist eine gesteigerte Blutungsneigung beobachtet worden. Insbesondere bei Frühgeborenen kann es bei einer Einnahme kurz vor der Geburt zu intra­cranialen Blutungen kommen. Ein vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus beim Feten ist möglich.


Für Coffein ist bei therapeutisch relevanten Dosen oder auch Kaffeegenuss kein erhöhtes Risiko in Bezug auf Schwangerschaftsverlauf und Entwicklung des Kindes beobachtet worden.


Stillzeit


Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein gehen in die Muttermilch über.

Während der Stillzeit kann das Befinden und Verhalten des Säuglings durch mit der Muttermilch aufgenommenes Coffein beeinträchtigt werden.

Nachteilige Folgen für den Säugling durch Paracetamol und Acetylsalicylsäure sind bisher nicht bekannt geworden. Bei kurz­fristiger Anwendung der empfohlenen Dosis wird eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht er­forderlich sein. Bei längerer Anwendung bzw. Einnahme höherer Dosen sollte ab­gestillt werden (siehe auch unter Abschnitten 5.1 und 5.2).


Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen


Temagin®pac hat keinen oder vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Trotzdem ist nach Einnahme eines Schmerzmittels immer Vorsicht geboten.


4.8 Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:



Sehr häufig

10 %

Häufig

1 % bis < 10 %

Gelegentlich

0,1 % bis < 1 %

Selten

0,01 % bis < 0,1 %

Sehr selten

< 0,01 %

Nicht bekannt

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Zahlreiche der folgenden unerwünschten Arzneimittel­wirkungen sind eindeutig dosisabhängig und individuell unterschiedlich.


Durch den Acetylsalicylsäureanteil bedingt können fol­gende unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten:


Häufig:


- gastrointestinale Beschwerden, wie Magenschmerzen, Mikroblutungen.


Gelegentlich:


- Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle.


Selten:


- Magenblutungen und Magenulzerationen


- Überempfindlichkeitsreaktionen.


Sehr selten:


- Thrombozytopenie


- Leukopenie bis hin zur Agranulozytose


- Panzytopenie.


In Einzelfällen sind beschrieben:


- Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Hypoglykämie sowie besonders schwere Hautreaktionen (bis hin zum Erythema exsudativum multiforme).


- Analgetika-Asthma bei vorbelasteten Personen.


ZNS-Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Tinnitus, Sehstörung oder Somnolenz sowie Eisen­mangelanämie können bei längerdauernder oder chroni­scher Anwendung auftreten (siehe 4.9 "Überdosierung"). Zu Störungen des Säure-Haushaltes sowie zur Natrium- und Wasserretention kann es bei Anwendung hoher Dosen und bei entsprechender Disposition kommen (siehe 4.9 "Überdosierung").


In Einzelfällen ist im zeitlichen Zusammenhang mit der systemischen Anwendung von nicht-steroidalen Anti­phlogistika eine Verschlechterung infektionsbedingter Entzündungen (z. B. Entwicklung einer nekrotisierenden Fasciitis) beschrieben worden. Dies steht möglicher­weise im Zusammenhang mit dem entzündungshemmenden Wirkmechanismus der nicht-steroidalen Antiphlogistika.

Wenn während der Anwendung von Temagin®pac Zeichen einer Infektion neu auftreten oder sich verschlimmern, wird dem Patienten daher empfohlen, unverzüglich den Arzt aufzusuchen. Es ist zu prüfen, ob die Indikation für eine antiinfektiöse/antibiotische Therapie vorliegt.


Bedingt durch den Paracetamolanteil kann es selten zum Auftreten von Hautrötungen, sehr selten zu allergi­schen Reaktionen mit Exanthemen kommen. In Einzel­fällen sind für den Wirkstoff Paracetamol weiter­gehende Überempfindlichkeitsreaktionen (Quincke-Ödem, Atemnot, Schweißausbruch, Übelkeit, Blutdruckabfall bis hin zum Schock) beschrieben worden. Sehr selten sind eine allergische Thrombozytopenie oder Leuko­penie, in Einzelfällen eine Agranulozytose oder Panzytopenie beschrieben worden. In Einzelfällen ist ein Bronchospasmus bei prädisponierten Personen ausge­löst worden (Analgetika-Asthma).


Selten kann es zu einem Anstieg der Lebertransaminasen kommen.


Der Coffeinanteil in Temagin®pac kann zu Schlaflosigkeit, innerer Unruhe, Pulsbeschleunigung und Magenbe­schwerden führen.


Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass bei bestimmungs­gemäßem Gebrauch durch die fixe Kombination Umfang und Art der Nebenwirkungen der Einzelsubstanzen verstärkt oder im Spektrum erweitert werden.


4.9 Überdosierung

Symptome einer Überdosierung


Die Symptome und die Therapie einer Überdosierung von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein setzen sich aus den einzelnen Symptomen und Therapiemöglich­keiten der Intoxikation mit den Einzelstoffen zu­sammen.


Paracetamol


Die Einnahme überhöhter Dosen von Paracetamol kann zu Intoxikationserscheinungen mit einer Latenz von 24 bis 48 Stunden führen. Es können sich Leberfunktionsstörungen durch Leberzell­nekrosen bis hin zum Leberkoma - auch mit töd­lichem Ausgang - entwickeln. Unabhängig davon sind auch Nierenschädigungen durch Nekrosen der Tubuli beschrieben worden.


Als Symptome der Paracetamol-Intoxikation können in der


1. Phase (1. Tag)

Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Somno­lenz und allgemeines Krankheitsgefühl auftreten.


2. Phase (2. Tag)

Besserung des subjektiven Befindens, jedoch leichte Leibschmerzen, Leber­vergrößerung, Anstieg der Konzen­tration von Transaminasen und Bilirubinanstieg, verlängerte Throm­boplastinzeit, Rückgang der Urinaus­scheidung.


3. Phase (3. Tag)

Hohe Transaminasenwerte, Ikterus, Gerinnungsstörungen, Hypoglykämie, Übergang in Leberkoma.


Acetylsalicylsäure


Plasmakonzentrationen ab 300 bis 350 µg Salicylsäure/ml können toxische Symptome, Konzentrationen ab etwa (400 bis) 500 µg/ml komatös-letale Zustände bewirken.


Neben Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichtes, des Elektrolythaushaltes (z. B. Hypokaliämie), Hypoglyk­ämie, Hautausschlägen sowie gastrointestinalen Blu­tungen werden Hyperventilation, Ohrensausen, Übelkeit, Erbrechen, Beeinträchtigung von Sehen und Hören, Kopf­schmerzen, Schwindel, Verwirrtheitszustände beobach­tet. Bei schweren Vergiftungen können Delirien, Tremor, Atemnot, Schweißausbrüche, Exsikkose, Hyper­thermie und Koma auftreten.


Unterschieden werden davon die chronischen Über­dosierungen von Acetylsalicylsäure mit überwiegend zentralnervösen Störungen ("Salicylismus"; vergl. 4.8 "Nebenwirkungen").


Coffein


Vergiftungssymptome durch Coffein (zentralnervöse Symptome, Herz-Kreislauf-Reaktionen bis hin zu Myokardschäden) können zusätzlich auftreten bei Aufnahme großer Mengen in kurzer Zeit.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Paracetamol


Bereits bei Verdacht auf Intoxikationen mit Temagin®pac ist aufgrund des Paracetamolanteils nach einer Magenspülung innerhalb der ersten 6 Stunden und der Bestimmung der Plasmakonzentration von Paracetamol die intravenöse Gabe von SH-Gruppen-Donatoren, wie z. B. N-Acetyl-Cystein in den ersten 8 Stunden sinnvoll.


Durch Dialyse kann die Plasmakonzentration von Paracetamol abgesenkt werden.


Die weiteren Therapiemöglichkeiten zur Behand­lung einer Intoxikation mit Paracetamol richten sich nach Ausmaß, Stadium und klinischen Symp­tomen entsprechend den üblichen Maßnahmen in der Intensivmedizin.


Acetylsalicylsäure/Coffein


Die Therapiemöglichkeiten zur Behandlung der Intoxi­kationssymptome von Acetylsalicylsäure und Coffein entsprechen den üblichen Maßnahmen zur Verminderung der Resorption des Wirkstoffes (Magenspülung und Gabe von Medizinischer Kohle), Kontrolle des Wasser- und Elektrolythaushaltes sowie der gestörten Temperatur­regulation und Atmung.


Zentral-nervöse Symptome und Krampfanfälle bei Überdosierung mit Coffein können mit Benzodiazepinen, eine supra­ventrikuläre Tachykardie mit ß-Adrenozeptor-Antagonisten (Betarezeptoren-Blockern) behandelt werden.





5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN


5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften


Pharmakotherapeutische Gruppe:

Andere Analgetika und Antipyretika / Acetylsalicylsäure, Kombinationen exklusive Psycholeptika;

ATC-Code: N02BA51


Paracetamol ist eine analgetisch, antipyretisch und sehr schwach antiphlogistisch wirkende Substanz.
Der Wirkungsmechanismus ist nicht eindeutig geklärt. Nachgewiesen ist, dass durch Paracetamol eine deutlich stärkere Hemmung der cerebralen als der peripheren Prostaglandinsynthese bewirkt wird. Ferner kommt es zu einer Hemmung des Effektes endogener Pyrogene auf das hypothalamische Temperaturregulationszentrum als wahrscheinliches Korrelat zur antipyretischen Wirkung.


Acetylsalicylsäure gehört als Vertreter der Gruppe der Salicylate zur Arzneistoffgruppe der sauren nicht­steroidalen Analgetika/Antiphlogistika. Acetylsalicyl­säure ist als Ester der Salicylsäure eine Substanz mit analgetischen, antipyretischen und antiphlogistischen Wirkeigenschaften. Als Wirkprinzip wird die Hemmung der Cyclooxygenase und damit die Hemmung der Bildung der Prostanoide Prostaglandin E2, Prostaglandin I2 und Thromboxan A2 beschrieben. Acetylsalicylsäure besitzt eine ausgeprägte, irreversible thrombozytenaggrega­tionshemmende Wirkung.


Coffein ist ein Xanthinderivat, das nach therapeu­tischen Dosen vorwiegend als Antagonist an Adenosin­rezeptoren wirkt. Dadurch wird die hemmende Wirkung des Adenosins auf das ZNS vermindert. Es hebt kurz­fristig Ermüdungserscheinungen beim Menschen auf und fördert die psychische Leistungsbereitschaft und
-fähigkeit.


Acetylsalicylsäure und Paracetamol besitzen verschie­dene sich ergänzende Wirkungsmechanismen und eine in etwa gleiche Wirkdauer. In verschiedenen Tierversuchen ist eine additive Wirkung für Analgesie und bei Hyper­thermie belegt. In einer humanpharmakologischen Unter­suchung konnte experimentell eine additive analge­tische Wirkung bestimmt werden. Die relative analge­tische Wirkungsstärke der Kombination von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein wird in verschiedenen Studien zwischen 1,3 und 1,7 gegenüber der gleichen Menge ASS/Paracetamol (je 1) angegeben und führt zu einer entsprechenden Einsparung analgetischer Substanz. Die Zeit bis zum Eintritt der analgetischen Wirkung des Paracetamols wird durch Coffein in verschiedenen Stu­dien um 19 - 45 % (Mittelwerte der Studien) verkürzt. Die Zeit bis zum Erreichen der maximalen analgetischen Wirkung der Acetylsalicylsäure wird durch Coffein im Verhältnis auf die Hälfte gekürzt.


5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften


Die Plasmaeiweißbindung beim Menschen ist konzentra­tionsabhängig; Werte von 66 % bis 98 % (Salicylsäure) wurden gefunden. Im Liquor und in der Synovialflüssig­keit ist Salicylsäure nach Einnahme von Acetylsalicyl­säure nachweisbar. Die absolute Bioverfügbarkeit von analgetisch/antipyretischen Dosen nach oraler Applika­tion beträgt 60 bis 70 %.


Paracetamol wird beim Menschen nach oraler Gabe rasch (0,5 bis 1,5 Stunden bis zum Erreichen maximaler Serum­konzentrationen) und vollständig resorbiert.


Die Plasmaproteinbindung ist gering, kann aber bei Überdosierung ansteigen, kaum jedoch über 50 %.
Die enzymatische Umformung erfolgt überwiegend in der Leber, in erster Linie durch direkte Konjugation mit Glukuron- und Schwefelsäure (55 % bzw. 35 %). In kleinen Mengen entstehen die toxischen Metaboliten p-Aminophenol und durch N-Hydroxylierung N-Acetyl-p-benzochinonimin, die durch Glutathion und Cystein gebunden werden.
Die Metaboliten werden renal ausgeschieden. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 1,5 bis 2,5 Stunden, voll­ständige Ausscheidung erfolgt binnen 24 Stunden. Das Maximum der Wirkung und die durchschnittliche Wirk­dauer (4 bis 6 Stunden) korrelieren in etwa mit der Plasmakonzentration.


Acetylsalicylsäure wird vor, während und nach der Re­sorption in ihren aktiven Hauptmetaboliten Salicyl­säure umgewandelt. Salicylsäure und ihre Metaboliten werden überwiegend über die Niere ausgeschieden. Hauptmetaboliten sind das Glycinkonjugat der Salicyl­säure (Salicylursäure), das Ether- und das Esterglu­kuronid der Salicylsäure (Salicylphenolglukuronid und Salicylacetylglukuronid) sowie die durch Oxidation von Salicylsäure entstehende Gentisinsäure und deren Glycinkonjugat.
Der Acetylrest der Acetyl­salicylsäure wird teilweise bereits während der Passage durch die Mukosa des Gastrointestinaltraktes hydrolytisch abgespalten. Maximale Plasmaspiegel werden nach 0,3 bis 2 Stunden (Gesamtsalicylat) erreicht. Die Eliminationskinetik von Salicylsäure ist in starkem Maße von der Dosis abhängig, da die Metabolisierung von Salicylsäure kapazitätslimitiert ist (fluktuelle Eliminations­halbwertszeit zwischen 2 und 30 Stunden).

Coffein zeigt eine Resorptionshalbwertszeit von 2 bis 13 min. und wird nach oraler Gabe rasch und nahezu vollständig resorbiert. Nach Einnahme einer Dosis von 5 mg/kg wurde die Cmax innerhalb von 30 bis 40 min. er­reicht, sie lag bei 9 bis 10 µg/ml. Oral verabreichtes Coffein ist praktisch vollständig bioverfügbar.
Die Plasmaproteinbindung schwankt zwischen 30 bis 40 %, und das Verteilungsvolumen beträgt 0,52 bis 1,06 l/kg. Coffein verteilt sich in alle Kompartimente, passiert rasch die Blut-Hirn-Schranke sowie die Plazenta­schranke und tritt auch in die Muttermilch über.


Die Plasmahalbwertszeit für Coffein liegt zwischen 4,1 und 5,7 h, sie zeigt jedoch starke inter- und intra­individuelle Schwankungen. Es wurden auch Werte von 9 bis 10 h gemessen. Coffein und seine Metaboliten werden überwiegend renal eliminiert. Im 48-h-Sammel­harn fanden sich bis zu 86 % der applizierten Dosis, von denen nur maximal 1,8 % unverändertes Coffein waren. 1-Methylharnsäure (12 bis 38 %), 1-Methylxanthin (8 bis 19 %) und 5-Acetylamino-6-amino-3-methyl-uracil (15 %) sind die Hauptmetaboliten. Die Faeces ent­hielten nur 2 bis 5 % der Dosis. Als Hauptmetabolit trat die 1,7-Dimethylharnsäure auf, die 44 % der Gesamt­menge ausmachte.


Acetylsalicylsäure und Paracetamol zeigen vergleich­bare Resorptionsgeschwindigkeiten und Zeitpunkte maxi­maler Plasmakonzentrationen, sich nicht behindernde Biotransformationsschritte und keine gegenseitige Be­hinderung bei der renalen Elimination.
Eine relevante gegenseitige Beeinflussung der drei Kombinationspartner in Bezug auf die pharmakoki­netischen Kenndaten ist nach bisheriger Beobachtung nicht gegeben.


Bioverfügbarkeit


Eine im Jahr 1981 durchgeführte Bioverfügbarkeits­untersuchung an 6 Probanden ergab im Vergleich zum Referenzpräparat für das Stoffwechselprodukt Salicylsäure:


Salicylsäure

Testpräparat

Referenzpräparat

maximale Plasma­konzentration
(Cmax [µg/ml]):



21,48 4,02



22,54 5,10

Zeitpunkt der maximalen Plasma­konzentration
(tmax [h]):






2,07 0,56





1,71 0,39

Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve
(AUC [µg/ml x h]):




132,1 18,1




135,6 21,3



















Angabe der Werte als Mittelwerte und Streubreite



Mittlere Plasmaspiegelverläufe im Vergleich zu einem Referenzpräparat in einem Konzentrations-Zeit-Dia­gramm: