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Amoxclav-Sandoz 875/125 Mg Filmtabletten

Document: 03.09.2008   Fachinformation (deutsch) change

FACHINFORMATION



1. Bezeichnung des Arzneimittels


Amoxclav-Sandoz 875/125 mg Filmtabletten



Qualitative und quantitative Zusammensetzung


1 Filmtablette enthält:


Amoxicillin-Trihydrat 1004,5 mg

entsprechend 875 mg Amoxicillin

Kaliumclavulanat 148,9 mg

entsprechend 125 mg Clavulansäure


Sonstige Bestandteile siehe unter Abschnitt 6.1.



3. Darreichungsform


Filmtablette


Beschreibung der Filmtabletten: längliche, blassgelbe Filmtabletten mit Kerbe.



4. Klinische Angaben


4.1 Anwendungsgebiete


Zur Behandlung von bakteriellen Infektionen durch gram-negative und gram-positive Amoxicillin-resistente Erreger, deren Resistenz auf -Laktamasen beruht, die aber gegen die Kombination von Amoxicillin und Clavulansäure empfindlich sind.

Liegt der begründete Verdacht vor, dass die oben genannten Erreger Grund für eine bestimmte Infektion sind, kann die Therapie mit dieser Kombination bereits vor dem Vorliegen der Ergebnisse der Empfindlichkeitstests begonnnen werden.


Amoxclav-Sandoz 875/125 mg eignet sich zur Therapie folgender Indikationsbereiche:

Infektionen:

der oberen und unteren Atemwege

- akute Sinusitis

- akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis

- Lobärpneumonie


Beachtung sollte den offiziellen, lokalen Richtlinien (z.B. nationalen Empfehlungen) geschenkt werden, die über bakterielle Resistenzen und die geeignete Anwendung und Verschreibung der antibakteriell wirkenden Substanzen informieren.



4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung


Die Dosierung von Amoxclav-Sandoz 875/125 mg richtet sich nach dem Alter, dem Gewicht und der Nierenfunktion des jeweiligen Patienten sowie nach dem Schweregrad und Ort der Infektion und dem vermuteten oder nachgewiesenen Erreger.


Erwachsene, Jugendliche und Kinder über 12 Jahre (mit einem Körpergewicht über 40 kg) erhalten zweimal täglich eine Filmtablette Amoxclav-Sandoz 875/125 mg. Die einzelnen Gaben sollen in regelmäßigen Abständen eingenommen werden: im Idealfall alle 12 Stunden.


Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion


Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen soll die Dosis in Abhängigkeit vom Schweregrad der Funktionseinschränkung und vom Gewicht des Patienten reduziert werden. Amoxclav-Sandoz 875/125 mg soll nur bei Patienten mit einer GFR > 30ml/min verwendet werden.


Art der Anwendung


Die Filmtabletten sind unzerkaut mit etwas Wasser einzunehmen.


Die Filmtabletten sollten am besten zu Beginn einer Mahlzeit eingenommen werden, um möglichen gastrointestinalen Beschwerden vorzubeugen.


Dauer der Anwendung


In der Regel wird Amoxclav-Sandoz 875/125 mg nach Besserung/Abklingen der Symptome noch weitere 3 bis 4 Tage verabreicht und sollte zumindest über die empfohlene Mindesttherapiedauer eingenommen werden. Die Behandlung sollte ohne eine erneute Überprüfung 14 Tage nicht überschreiten.


Bei Infektionen durch -hämolysierende Streptokokken soll aus Vorsichtsgründen eine Mindesttherapiedauer von 10 Tagen nicht unterschritten werden, um Spätkomplikationen vorzubeugen (wie beispielsweise rheumatisches Fieber und Glomerulonephritis).


Das Arzneimittel ist gemäß den Anweisungen des Arztes einzunehmen.



4.3 Gegenanzeigen


Amoxclav-Sandoz 875/125 mg darf wegen der Gefahr eines anaphylaktischen Schockes nicht an Patienten mit erwiesener Überempfindlichkeit gegen Amoxicillin, Clavulansäure, -Laktam-Antibiotika (z.B. Penicillinen, Cephalosporinen) verabreicht werden, oder an Patienten mit erwiesener Überempfindlichkeit gegen einen sonstigen Bestandteil der Filmtabletten. Vor Behandlungsbeginn ist daher eine sorgfältige Anamneseerhebung hinsichtlich jeglicher allergischer Reaktionen (z.B. im Anschluss an frühere Verabreichungen von Penicillinen oder Cephalosporinen) erforderlich.


Amoxclav-Sandoz 875/125 mg darf nicht bei Patienten angewendet werden, bei denen unter einer früheren Behandlung mit Amoxicillin/Clavulansäure Leberfunktionsstörungen aufgetreten sind.



4.4 Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung


Bei Patienten mit infektiöser Mononukleose (Pfeiffer´sches Drüsenfieber) oder Leukämie besteht nach Amoxicillin-Gabe ein deutlich erhöhtes Exanthemrisiko, weshalb Amoxclav-Sandoz 875/125 mg bei diesen Patienten vermieden werden sollte.

Bei Patienten mit vorbestehenden Leberfunktionsstörungen ist die Therapie mit Vorsicht anzuwenden. Vorsicht ist bei der Behandlung von Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen und bei der Behandlung von älteren Patienten (ab 60 Jahren) geboten: Leberfunktionskontrollen sind bei diesen Patienten angezeigt (siehe „Nebenwirkungen“).

Bei Patienten mit Zeichen einer Leberschädigung sind die Leberfunktionswerte in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Falls sich die Werte während der Behandlung verschlechtern, sollte ein Therapieabbruch erwogen werden.


Patienten mit schweren gastrointestinalen Störungen mit Erbrechen und/oder Diarrhoe sollten nicht mit Amoxclav-Sandoz 875/125 mg behandelt werden, da eine ausreichende Resorption nicht gewährleistet ist.


Bei Auftreten schwerer, anhaltender Durchfälle ist an eine - durch Clostridium difficile verursachte - pseudomembranöse Kolitis zu denken und die Therapie mit Amoxicillin/Clavulansäure ist abzubrechen. Peristaltikhemmende Arzneimittel sind kontraindiziert.


Bei Patienten mit schweren Allergien oder Asthma ist Amoxclav-Sandoz 875/125 mg mit Vorsicht anzuwenden, da diese Patienten verstärkt zu allergischen Reaktionen neigen.


Vor Behandlungsbeginn ist eine sorgfältige Anamneseerhebung hinsichtlich früherer Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber Penicillinen, Cephalosporinen oder anderen Substanzen erforderlich. Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen mit gelegentlich letalem Verlauf wurden bei Patienten mit einer Penicillinüberempfindlichkeit beschrieben.


Amoxicillin kann bei Raumtemperatur und bei hohen Urin-Konzentrationen im Blasenkatheter ausfallen, weshalb der Katheter in diesen Fällen regelmäßig auf seine Durchgängigkeit überprüft werden muss.

Patienten mit verringerter Diurese sind, vor allem wenn sie parenteral behandelt wurden, selten an Kristallurie erkrankt. Bei hohen Amoxicilin-Dosen sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Diurese geachtet werden, um eine Kristallurie zu vermeiden.


Bei Langzeitanwendung können – wie bei anderen Breitbandantibiotika – Superinfektionen mit resistenten Bakterien oder Sprosspilzen auftreten.


Bei länger andauernder Therapie sind die Nieren-, Leber- und Blutwerte in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

Eine Filmtablette enthält 0,63 mmol Kalium.



4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen


Amoxicillin/Clavulansäure und andere Antibiotika oder Chemotherapeutika

Amoxclav-Sandoz 875/125 mg soll nicht mit bakteriostatisch wirkenden Chemotherapeutika/Antibiotika (wie Tetrazykline, Makrolide, Sulfonamide oder Chloramphenicol) kombiniert werden, da in vitro ein antagonistischer Effekt beobachtet wurde.


Amoxicillin/Clavulansäure und Probenecid

Probenecid hemmt die renale Elimination von Amoxicillin. Die gleichzeitige Gabe von Probenecid führt daher zu höheren und länger anhaltenden Amoxicillin-Konzentrationen im Serum und in der Galle. Die Elimination der Clavulansäure bleibt unbeeinflusst.


Amoxicillin/Clavulansäure und Allopurinol

Die gleichzeitige Anwendung von Allopurinol während einer Behandlung mit Amoxclav-Sandoz 875/125 mg kann das Auftreten allergischer Hautreaktionen begünstigen (Exantheme).


Amoxicillin/Clavulansäure und Sulfasalazin:

Aminopenicilline können die Sulfasalazin-Konzentration im Plasma verringern.


Amoxicillin/Clavulansäure und Methotrexat:

Interaktionen zwischen Amoxicillin und Methotrexat bis hin zu Methotrexat-Toxizität wurden beschrieben. Bei Patienten, die gleichzeitig mit Amoxicillin behandelt werden, ist eine engmaschige Kontrolle der Methotrexat-Serumspiegel erforderlich. Amoxicillin senkt die renale Clearance von Methotrexat, vermutlich aufgrund einer kompetitiven Hemmung der tubulären Sekretion.


Amoxicillin/Clavulansäure und Digoxin

Eine erhöhte Resorption von Digoxin ist bei gleichzeitiger Gabe mit Amoxclav-Sandoz 875/125 mg möglich.


Amoxicillin/Clavulansäure und Disulfiram

Disulfiram und Amoxclav-Sandoz 875/125 mg sollen nicht gleichzeitig verabreicht werden.


Amoxicillin/Clavulansäure und Antikoagulantien

Bei gleichzeitiger Anwendung von Amoxclav-Sandoz 875/125 mg und Antikoagulantien vom Cumarintyp kann die Blutungsneigung verstärkt sein.


Amoxicillin/Clavulansäure und hormonale Kontrazeptiva

In seltenen Fällen kann Amoxicillin die Wirksamkeit hormonaler Kontrazeptiva beeinträchtigen.


Es wird daher empfohlen, zusätzliche nichthormonale empfängnisverhütende Maßnahmen anzuwenden.


Einfluss auf labordiagnostische Untersuchungen

Nicht-enzymatische Methoden zur Harnzuckerbestimmung können falsch positive Resultate ergeben. Ebenso kann der Urobilinogen-Nachweis verfälscht sein.



4.6 Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit


Die Daten von ungefähr 560 Schwangerschaften mit Amoxicillin/Clavulansäure-Exposition erbringen keine Hinweise auf nachteilige Wirkungen dieser Kombination auf die Schwangerschaft oder auf die Gesundheit des Feten oder des Neugeborenen.

Lediglich in einer Einzelstudie an Frauen mit vorzeitigem Blasensprung wurde berichtet, dass die prophylaktische Behandlung mit Amoxicillin/Clavulansäure mit einem höheren Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis bei Neugeborenen in Zusammenhang gebracht werden kann. Aus Vorsichtsgründen sollte die Verschreibung von Amoxclav-Sandoz 875/125 mg während der Schwangerschaft nur erfolgen, wenn nach ärztlichem Ermessen der potentielle Nutzen die möglichen Risiken überwiegt.


Beide Substanzen sind plazentagängig und gelangen auf diesem Wege zum Embryo/Fetus. Beide Substanzen gehen in die Muttermilch über (über die Wirkungen der Clavulansäure auf den gestillten Säugling ist nichts bekannt). Deshalb können beim gestillten Säugling Diarrhoe und eine Pilzbesiedelung der Schleimhäute auftreten, so dass unter Umständen abgestillt werden muss. Die Möglichkeit einer Sensibilisierung ist ebenfalls zu bedenken.



4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen


Es liegen keine Hinweise auf beeinträchtigende Wirkungen auf die aktive Teilnahme am Verkehr und das Bedienen von Maschinen vor.



4.8 Nebenwirkungen


Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich (≥ 1/1000 bis < 1/100)

Selten (≥ 1/10 000 bis < 1/1000)

Sehr selten (< 1/10 000)


Infektionen und Infestationen

Gelegentlich

Langdauernde und wiederholte Einnahme des Arzneimittels kann zu einer Superinfektion und Kolonisation mit resistenten Mikroorganismen oder Hefepilzen führen.


Selten

Aseptische Meningitis.


Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Selten

Thrombozytose, hämolytische Anämie,

Sehr selten

Änderungen des Blutbildes in Form von Leukopenie, Agranulozytose, Granulozytopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Anämie oder Knochenmarkdepression und Verlängerung der Blutungs- und Prothrombinzeit wurde in einzelnen Fällen beobachtet. Diese Erscheinungen sind nach dem Abbruch der Behandlung reversibel.


Erkrankungen des Immunsystems

Selten

Typische allergische Reaktionen vom Soforttyp (wie Urtikaria, Purpura), Angioödeme und anaphylaktischer Schock können weniger oft auftreten.

Erythema multiforme, Stevens-Johnson Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, bullöse exfoliative Dermatitis, Serumkrankheit und Vaskulitis treten im Zusammenhang mit Überempfindlichkeit selten auf.

Arzneimittelfieber.


Psychiatrische Erkrankungen

Sehr selten

Hyperaktivität, Angstgefühl, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit und Aggression.


Erkrankungen des Nervensystems

Selten

Benommenheit, Kopfschmerzen und Krampfanfälle sind selten. Krampfanfälle können bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Therapie mit hohen Dosen auftreten.


Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes

Häufig

Gastrointestinale Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö und Pruritus ani wurden beobachtet. Diese Nebenwirkungen sind im allgemeinen leicht und vorübergehend.

Selten

Pseudomembranöse Colitis, hämorrhagische Colitis, Candidiasis der Schleimhäute, oberflächliche Zahnverfärbungen.

Sehr selten

Dunkelfärbung der Zunge.


In einer Einzelstudie an Frauen mit vorzeitigem Blasensprung wurde berichtet, dass die prophylaktische Behandlung mit Amoxicillin/Clavulansäure mit einem höheren Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis bei Neugeborenen in Zusammenhang gebracht werden kann.



Leber- und Gallenerkrankungen

Selten

In seltenen Fällen wurde ein mäßiger Anstieg von GOT und/oder GPT beobachtet.

Sehr selten

Über Hepatitis und cholestatischen Ikterus wurde selten berichtet. Störungen der Leberfunktion treten vorwiegend bei männlichen oder bei älteren Patienten auf, insbesondere bei Patienten über 65 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Nebenwirkungen steigt bei einer Therapiedauer von mehr als 14 Tagen.

Über diese Nebenwirkungen wurde bei Kindern nur sehr selten berichtet.


Anzeichen und Symptome treten normalerweise während oder kurz nach Behandlung auf, können aber in manchen Fällen erst einige Wochen nach Therapieende auftreten. Hepatische Störungen sind normalerweise vorübergehend. Sie können jedoch auch schwer sein und in sehr seltenen Fällen wurde über einen tödlichen Ausgang berichtet.

Diese Fälle traten meistens bei Patienten mit schweren Begleiterkrankungen auf oder bei Patienten, die zusätzlich zu Amoxicillin/Clavulansäure potentiell lebertoxische Arzneistoffe einnahmen.


Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig

Allergische Hautreaktionen treten signifikant häufiger auf als bei anderen Penicillinen und sind im Allgemeinen makulopapulös.

Bei einigen Fällen wurde über morbilliforme Exantheme berichtet („fifth day rash“). Dies ist abhängig von der Dosis und der Verfassung des Patienten.


Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Sehr selten

Eine interstitielle Nephritis ist in einem Einzelfall aufgetreten.

Es wurde über das Auftreten von Kristallurie berichtet.


Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Gelegentlich

Vaginaler Juckreiz und Ausfluss.



4.9 Überdosierung


a) Symptome einer Intoxikation

Im Falle einer Überdosierung können gastrointestinale Symptome, wie Nausea, Erbrechen und Diarrhoe sowie Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes auftreten. Das Auftreten von Krämpfen ist ebenfalls möglich. Bewusstseinseinschränkung, Muskelfaszikulationen, Myoklonien, Koma, hämolytische Reaktionen, Nierenversagen und Azidose sind möglich. In Ausnahmefällen kann innerhalb von 20 bis 40 Minuten ein Schock auftreten.

Infolge der Gabe von Amoxicillin wurde eine Kristallurie beobachtet, die in manchen Fällen eine Niereninsuffizienz auslösen kann.


b) Behandlung einer Intoxikation

Bei Überdosierung gibt es kein spezifisches Antidot. Die Behandlung erfolgt symptomatisch oder in Form einer Hämodialyse mit besonderem Augenmerk auf die Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz. Die Verabreichung von Aktivkohle und eine Magenspülung sind nur bei sehr hoher Überdosierung von Nutzen.



5. Pharmakologische Eigenschaften


5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften


ATC-Code: J01CR02

Stoff- oder Indikationsgruppe: ß-Laktam-Antibiotika; Kombination von Penicillin und ß-Laktamase-Hemmer


Amoxicillin:


Amoxicillin ist ein bakterizides, semisynthetisches Aminobenzylpenicillin (p-Hydroxy-Ampicillin).

Es hemmt die Quervernetzung der Zellwandstrukturen durch Bindung an Transpeptidasen. Die daraus resultierende Instabilität führt durch Lyse zum Zelltod.


Clavulansäure:


Die Clavulansäure ist ein natürliches Produkt von Streptomyces clavuligerusund ähnelt in ihrer Struktur dem Penicillinkern. Die Clavulansäure besitzt selbst eine nur schwache antibakterielle Aktivität, aber sie bewirkt eine irreversible Hemmung der chromosomal-kodierten -Laktamasen der Richmond-Klassen II, IV und VI sowie der plasmid-kodierten -Laktamasen der Richmond-Klassen III und V.


Durch die gleichzeitige Verabreichung von Clavulansäure und Amoxicillin wird Amoxicillin vor der Zerstörung durch -Laktamasen geschützt. Die Kombination Amoxicillin/Clavulansäure ist deshalb gegen viele Amoxicillin-resistente Bakterienstämme wirksam.


Breakpoints


Die MHK-Breakpoints werden als Amoxicillin-Konzentration ausgedrückt. Im allgemeinen gelten Bakterien im Bereich <4 µg/ml als empfindlich und im Bereich >8 µg/ml als resistent, hingegen gelten M. catarrhalis(-Laktamase-negativ) bei < 0,25 µg/ml als empfindlich und bei >0,5 µg/ml als resistent. H. influenzae(-Laktamase-negativ) gelten im Bereich von <2 µg/ml als empfindlich. Str. pneumoniaegelten bei einer MHK von <0,5 µg/ml als empfindlich auf Amoxicillin/Clavulansäure und bei einer MHK von >2 µg/ml als resistent.


Wirkungsspektrum von Amoxicillin/Clavulansäure

Die vorherrschende Resistenz kann für bestimmte Stämme örtlich und zeitlich variieren. Vor allem bei der Behandlung schwerer Infektionen ist deshalb die Kenntnis der lokalen Resistenzsituation von Bedeutung. Die folgenden Informationen verstehen sich nur als ungefähre Richtlinie über die Wahrscheinlichkeit mit der Mikroorganismen auf Amoxclav-Sandoz empfindlich sind oder nicht. Nach Möglichkeit ist für die einzelnen Mikroorganismen der Prozentsatz der erworbenen Resistenz in Europa in Klammern angeführt.

Empfindliche Erreger


Aeorbier gram-positiv


Bacillus anthracis


Corynebacterium species


Listeria monocytogenes


Nocardia asteroides


Staphylococcus aureus* (1 - 43%)


Koagulase-negative Staphylokokken (inkl. Staphylococcus epidermidis) (<10%)


Streptococcus pneumoniae* (0 - 26%)


Streptococcus pyogenes*


Streptococcus species


Streptococcus viridans


Aerobier gram-negativ


Bordetella pertussis


Brucella species


Gardnerella vaginalis


Haemophilus influenzae* (0 - 0.3%)




Moraxella catarrhalis*


Neisseria gonorrhoeae


Neisseria meningitidis


Pasteurella multocida


Proteus mirabilis


Vibrio cholerae


Anaerobier


Bacteroides species, inkl. Bacteroides fragilis * (1%)


Fusobacterium species


Peptococcus species


Peptostreptococcus species




Intermediär empfindliche Erreger


Aerobier gram-positiv


Enterococcus faecalis*


Aerobier gram-negativ


Escherichia coli* (5 - 20%)


Klebsiella species* (7%)


Proteus vulgaris


Salmonella species (Amoxicillin-resistente Stämme)


Shigella species (Amoxicillin-resistente Stämme)


Yersinia enterocolitica (Amoxicillin-resistente Stämme)




Resistente Erreger


Aerobier gram-positiv


Methicillin-resistente Staphylokokken


Aerobier gram-negativ


Acinetobacter


Citrobacter


Enterobacter


Serratia


Proteus rettgeri


Morganella morganii


Providencia


Pseudomonas aeruginosa


Andere


Chlamydia


Mycoplasma


Rickettsia


-laktamasebildende Stämme wurden bisher für diese Bakterienart nicht beschrieben.

*Die klinische Wirksamkeit wurde für empfindliche Isolate bei belegten klinischen Anwendungen nachgewiesen.


5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften


Amoxicillin:


Die absolute Bioverfügbarkeit von Amoxicillin ist dosisabhängig und beträgt ungefähr 72 - 94%. Die Resorption wird durch die Nahrungsaufnahme nicht beeinträchtigt. Die maximalen Plasmakonzentrationen werden ungefähr 1 bis 2 Stunden nach Gabe von Amoxicillin erreicht. Das scheinbare Verteilungsvolumen liegt bei 0,3 - 0,4 l/kg und die Plasmaproteinbindung beträgt etwa 17 - 20%. Amoxicillin passiert die Plazentaschranke und wird zu einem geringen Prozentsatz in die Muttermilch ausgeschieden.


Amoxicillin wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden (52 ± 15% einer Dosis in unveränderter Form innerhalb von 7 Stunden) und zu einem kleineren Teil biliär. Die totale Clearance beträgt ungefähr 250 - 370 ml/min. Bei Nierengesunden beträgt die Serumhalbwertszeit von Amoxicillin ungefähr 1 Stunde (0,9 - 1,2 Std.), bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von 10 bis 30 ml/min beträgt sie ca. 6 Stunden und bei anurischen Patienten liegt sie zwischen 10 und 15 Stunden.

Nach Verabreichung einer Dosis von 875/125 mg Amoxicillin/Clavulansäure an gesunde Probanden ergaben sich folgende mittlere Amoxicillin-Konzentrationen im Plasma (µg/ml):


Dosis

1 Std.

1,5 Std.

2 Std.

4 Std.

6 Std.

8 Std.

10 Std.

875 mg

6,18

7,01

7,15

4,78

1,96

0,620

0,233


Clavulansäure:


Die absolute Bioverfügbarkeit der Clavulansäure liegt mit einer hohen interindividuellen Variabilität bei ca. 60%. Die Clavulansäure-Konzentration erreicht den Maximalwert nach ca. 1 bis 2 Stunden. Das scheinbare Verteilungsvolumen liegt bei 0,2 l/kg und die Serumproteinbindung beträgt ungefähr 22%. Die Clavulansäure passiert die Plazentaschranke. Über den Übertritt in die Muttermilch liegen bisher keine genauen Angaben vor.


Die Substanz wird zum Teil metabolisiert (ungefähr 50 - 70%) und zu ca. 40% renal eliminiert (18 - 38% der Dosis in unveränderter Form). Die totale Clearance beträgt ungefähr 260 ml/min. Bei Nierengesunden beträgt die Serumhalbwertszeit der Clavulansäure ungefähr 1 Stunde, bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 20 und 70 ml/min ungefähr 2,6 Stunden und bei anurischen Patienten ca. 3 bis 4 Stunden.


Pharmakokinetisch relevante Interaktionen zwischen Amoxicillin und Clavulansäure wurden bisher nicht beschrieben.

Sowohl Amoxicillin als auch die Clavulansäure sind hämodialysierbar.



5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit


a) Akute Toxizität

Die LD50-Werte der Clavulansäure (Kaliumsalz) werden durch den Kaliumgehalt bestimmt. Die Verabreichung von Clavulansäure (Kaliumsalz) in Kombination mit Amoxicillin führt zu keiner unerwarteten oder synergistischen Toxizität.


b) Chronische Toxizität / subchronische Toxizität

Die in den Studien zur chronischen Toxizität untersuchten Tierspezies waren Ratten und Hunde.

Lediglich bei Hochdosierung (entsprechend der 20- bis 50-fachen Höchstdosis beim Menschen) wurden leichte hämatologische und blutchemische Veränderungen registriert, die nach Absetzen der Therapie voll reversibel waren.

c) Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

In-vitro und in-vivo-Studien ergaben keinerlei Hinweise auf mutagene Wirkungen der Kombination Amoxicillin und Clavulansäure.


d) Reproduktionstoxizität

Untersuchungen zur Reproduktionstoxizität an Ratten erbrachten weder Hinweise auf nachteilige Wirkungen der Kombination auf die Fertilität noch Hinweise auf teratogene Wirkungen. Untersuchungen an Meerschweinchen ergaben nach intravenöser Applikation von Ampicillin eine Abnahme des Uterustonus sowie der Häufigkeit, Stärke und Dauer der Kontraktionen. Die Relevanz dieser Ergebnisse für den Menschen sind ungewiss.



6. Pharmazeutische Angaben


6.1 Sonstige Bestandteile


Tablettenkern:

Croscarmellose-Natrium, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, mikrokristalline Cellulose, Povidon K25, Talkum;

Filmüberzug:

Cetylalkohol, Ethylcellulose, Hypromellose, Natriumdodecylsulfat, Talkum, Triethylcitrat, Titandioxid (E171);



6.2 Inkompatibilitäten


Nicht zutreffend



6.3 Dauer der Haltbarkeit


2 Jahre.



6.4 Besondere Lagerungshinweise


Nicht über 25 °C lagern. In der Originalverpackung aufbewahren.



6.5 Art und Inhalt des Behältnisses


Versiegelte Streifen aus Aluminiumfolie und Polyethylenbeschichtung.

Packungsgrößen: 10, 14 und 20 Filmtabletten.



6.6 Hinweise für die Handhabung


Keine speziellen Hinweise.



Pharmazeutischer Unternehmer


Sandoz Pharmaceuticals GmbH

Raiffeisenstraße 11

83607 HolzkirchenE-Mail: info@sandoz.de



Zulassungsnummer


51637.00.00



Datum der Erteilung der Zulassung/Verlängerung der Zulassung


8. November 2001/10. Januar 2007



10. Stand der Information

September 2008


11. Verschreibungsstatus/Apothekenpflicht


Verschreibungspflichtig

ecb78a965314c8819dc5c3ecc139d234.rtf 25/25 September 2008