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Azamedac Tabletten

Document: 04.07.2012   Fachinformation (deutsch) change

FACHINFORMATION


Azamedac®, Tabletten



1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS


Azamedac®, Tabletten



2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE

ZUSAMMENSETZUNG


Azamedac®, Tabletten 1 Tablette enthält 50 mg Azathioprin.


Sonstige Bestandteile:

Lactosemonohydrat



3. DARREICHUNGSFORM


Tabletten. Gelbe, runde, bikonvexe Tabletten mit Bruchkerbe. Auf einer Tablettenseite tragen sie die Prägung ,,AZP 50‘‘.



4. KLINISCHE ANGABEN


4.1 Anwendungsgebiete


Azamedac®, Tabletten ist in Kombination mit anderen Immunsuppressiva zur Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen nach allogener Transplantation von Niere, Leber, Herz, Lunge oder

Pankreas angezeigt. Azathioprin ist innerhalb immunsuppressiver Regime üblicherweise

als ein Zusatz zu immunsuppressiven Substanzen angezeigt, die den Hauptpfeiler der Behandlung darstellen (Basisimmunsuppression).Azamedac®, Tabletten ist, üblicherweise in Kombination mit Glukokortikosteroiden, bei mäßig schweren bis schweren Verlaufsformen der nachfolgend genannten Erkrankungen angezeigt. In Kombination mit Glukokortikosteroiden hat die Anwendung von Azamedac®, Tabletten in der Regel eine Glukokortikosteroid-einsparende Wirkung. Weiterhin ist Azamedac®, Tabletten bei Patienten mit nachfolgend genannten Erkrankungen angezeigt, wenn Glukokortikosteroide nicht vertragen werden bzw. wenn mit hohen Dosen von Glukokortikosteroiden keine ausreichende therapeutische Wirkung erzielt werden kann:


Schwere Formen der aktiven rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis), die
mit weniger toxischen, antirheumatischen Basis-Therapeutika (disease modifying
anti-rheumatic drugs — DMARDs) nicht kontrolliert werden können

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)

Autoimmunhepatitis

Systemischer Lupus erythematodes

Dermatomyositis

Polyarteriitis nodosa

Pemphigus vulgaris und bullöses Pemphigoid

Morbus Behcet

Refraktäre autoimmune hämolytische Anämie, hervorgerufen durch IgG-Wärmeantikörper

Chronisch refraktäre idiopathische thrombozytopenische Purpura


Azamedac®, Tabletten ist angezeigt bei schubförmiger Multipler Sklerose, wenn eine immunmodulatorische

Therapie angezeigt und eine Therapie mit Beta-Interferonen nicht möglich ist, oder

unter einer bisherigen Therapie mit Azathioprin ein stabiler Verlauf erreicht wurde.


Azamedac®, Tabletten ist angezeigt zur Behandlung der generalisierten Myasthenia gravis. In Abhängigkeit

vom Schweregrad der Erkrankung sollte Azamedac®, Tabletten wegen des langsamen Wirkungseintritts

zu Beginn der Behandlung in Kombination mit Glukokortikosteroiden verabreicht und die Glukokortikosteroid-Dosis nach Monaten der Behandlung schrittweise reduziert werden.


4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung


Dosierung und Dauer der Anwendung


Nach Organtransplantation

In Abhängigkeit vom immunsuppressiven Regime beträgt die Anfangsdosis in der Regel

bis zu 5 mg/kg Körpergewicht/Tag, oral. Die Erhaltungsdosis liegt zwischen 1 mg/kg und 4 mg/kg Körpergewicht/Tag und muss den klinischen Erfordernissen und der hämatologischen Verträglichkeit angepasst werden.

Die Behandlung mit Azathioprin, auch in niedrigen Dosierungen, muss unbegrenzt

erfolgen, da es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann.


Multiple Sklerose

Die übliche Dosis zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose beträgt

zwischen 2 mg/kg und 3 mg/kg Körpergewicht/Tag. Eine Behandlungsdauer von mehr als 1 Jahr kann bis zur Manifestation der Wirkung erforderlich sein, und wenigstens 2 Jahre können erforderlich sein, bis die Krankheit tatsächlich unter Kontrolle ist.


Myasthenia gravis

Für die Behandlung der Myasthenia gravis liegt die empfohlene Dosis bei 2 mg/kg bis

3 mg/kg Körpergewicht/Tag. Üblicherweise tritt ein Behandlungserfolg frühestens 2 bis 6 Monate nach Behandlungsbeginn auf. Je nach Schweregrad der Erkrankung sollte

Azamedac®, Tabletten wegen des langsamen Wirkungseintritts zu Beginn der Behandlung in Kombination mit Glukokortikosteroiden gegeben werden. Die Dosis an Glukokortikosteroiden kann schrittweise über Monate verringert werden. Die Behandlung mit Azamedac®, Tabletten sollte über wenigstens 2 bis 3 Jahre fortgesetzt werden.


Andere Anwendungsgebiete

Für die Behandlung der chronisch-aktiven Autoimmunhepatitis beträgt die Anfangsdosis

gewöhnlich zwischen 1 mg/kg und 1,5 mg/kg Körpergewicht/Tag, die Erhaltungsdosis

bis zu 2 mg/kg Körpergewicht/Tag. In den anderen Anwendungsgebieten beträgt

die Anfangsdosis in der Regel 1 mg/kg bis 3 mg/kg Körpergewicht/Tag und die Erhaltungsdosis zwischen weniger als 1 mg/kg und 3 mg/kg Körpergewicht/Tag.

Die Dosierung sollte der therapeutischen Wirkung, die unter Umständen erst nach

Wochen oder Monaten eintritt, und der hämatologischen Verträglichkeit angepasst

werden. Wird ein Ansprechen auf die Therapie festgestellt, sollte die niedrigste wirksame

Dosis, die zur Aufrechterhaltung der therapeutischen Wirkung erforderlich ist, angewendet

werden. Wenn nach 3- bis 6-monatiger Behandlung keine Besserung eintritt, sollte ein Absetzen der Therapie in Erwägung gezogen werden.


Patienten mit Nieren- und Leberinsuffizienz

Bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollten die Dosen im unteren

Bereich des normalen Dosierungsbereichs liegen (siehe auch Abschnitte 4.4 und 5.2).


Kinder

Zur Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis mit Azathioprin liegen keine

hinreichenden Daten zum Beleg der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vor.

Erfahrungen zur Anwendung von Azathioprin bei Multipler Sklerose im Kindesalter liegen

nicht vor. Daher wird die Anwendung von Azathioprin bei Kindern in dieser Indikation

nicht empfohlen. Bei den übrigen Anwendungsgebieten gelten die gleichen Dosierungsempfehlungen wie für Erwachsene.


Ältere Patienten

Es wird empfohlen, die Dosierung für ältere Patienten im unteren Bereich des normalen

Dosisspektrums anzusiedeln (zu Blutbildkontrollen siehe Abschnitt 4.4).


Anwendung in Kombination mit Allopurinol, Oxipurinol oder Thiopurinol

Bei gleichzeitiger Einnahme von Allopurinol, Oxipurinol oder Thiopurinol sollte die Dosis

von Azathioprin auf ein Viertel der normalen Dosis reduziert werden (siehe Abschnitte

4.4, 4.5 und 5.1).


Art der Anwendung

Die Tabletten sind zum Einnehmen und sollten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit

(mindestens 200 ml) geschluckt werden. Die Einnahme sollte zusammen mit einer Mahlzeit

erfolgen.


4.3 Gegenanzeigen


Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Azathioprin, gegen Mercaptopurin (einen

Metaboliten von Azathioprin) oder einen der sonstigen Bestandteile,

Impfung mit Lebendimpfstoffen (insbesondere BCG, Pocken und Gelbfieber) (siehe Abschnitt 4.5),

Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6).


4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung


Die Einleitung einer Therapie mit Azamedac®, Tabletten bei vorbestehenden, schweren Infektionen,

schweren Störungen der Leber- und Knochenmarkfunktion sowie beim Vorliegen

einer Pankreatitis sollte nur unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und den nachfolgend

beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen erfolgen.


Azathioprin sollte nur verordnet werden, wenn der Patient während der gesamten Therapie ausreichend auf unerwünschte Wirkungen hin überwacht werden kann. Während der ersten 8 Wochen der Therapie sollte mindestens einmal wöchentlich ein Blutbild einschließlich Thrombozytenzählung angefertigt werden. Häufigere Kontrollen sind angezeigt bei:

Einsatz höherer Dosen

Älteren Patienten

Nierenfunktionsstörungen; beim Auftreten einer hämatologischen Toxizität muss die
Dosis reduziert werden (siehe auch Abschnitte 4.2 und 5.2).

Leberfunktionsstörungen; in diesem Fall müssen zudem regelmäßige Leberfunktionstests
durchgeführt werden und beim Auftreten einer hepatischen oder hämatologischen
Toxizität muss die Dosis verringert werden (siehe auch Abschnitte 4.2 und 5.2).


Grundsätzlich ist besondere Vorsicht bei der Anwendung von Azathioprin bei Patienten

mit Leberfunktionsstörungen erforderlich, da über lebensbedrohliche Leberschädigungen

berichtet wurde (siehe Abschnitt 4.8). Dies ist insbesondere bei Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen wichtig und Azathioprin sollte in diesem Fall nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung angewendet werden.


Nach 8 Wochen kann die Häufigkeit der Blutbildkontrollen auf monatliche Abstände (maximal vierteljährlich) reduziert werden.


Patienten, die Azathioprin erhalten, müssen darauf hingewiesen werden, ihren behandelnden Arzt unverzüglich über alle Anzeichen einer Infektion, ungeklärte blaue Flecken oder Blutungen oder über andere Anzeichen auf eine Knochenmarksuppression

zu informieren.


Etwa 10 % der Patienten haben durch genetischen Polymorphismus eine verminderte Aktivität des Enzyms Thiopurin-Methyltransferase (TPMT). Insbesondere bei homozygoten Merkmalsträgern ist der Abbau von Azathioprin beeinträchtigt, so dass ein höheres Risiko für myelotoxische Wirkungen besteht. Gleichzeitig verabreichte Arzneimittel, die das Enzym TPMT hemmen (z. B. Olsalazin, Mesalazin und Sulfasalazin), können diesen

Effekt verstärken. Des Weiteren wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen einer

verminderten TPMT-Aktivität und sekundären Leukämien und Myelodysplasien bei

einzelnen Patienten berichtet, die 6-Mercaptopurin (aktiver Metabolit von Azathioprin) in

Kombinationen mit anderen zytotoxischen Substanzen erhielten (siehe Abschnitt 4.8). Einige Laboratorien bieten Tests zur Erkennung eines TPMT-Mangels an und obwohl diese Tests nicht alle Patienten mit einem Risiko für eine schwere Toxizität identifizieren können, wird die Testung auf TMPT-Mangel insbesondere prä-therapeutisch bei hochdosierter Azathioprin-Therapie sowie bei rascher Verschlechterung des Blutbildes empfohlen.


Die gleichzeitige Anwendung von Azathioprin und Arzneimitteln mit myelosuppressiven Eigenschaften wie Penicillamin und Zytostatika kann die myelotoxischen Wirkungen verstärken und muss daher vermieden werden (siehe Abschnitt 4.5).


Bei gleichzeitiger Einnahme von Allopurinol, Oxipurinol oder Thiopurinol sollte die Dosis von Azathioprin auf ein Viertel der normalen Dosis reduziert werden (siehe Abschnitt 4.5).


Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Azathioprin zusammen mit Tubocurarin und Succinylcholin angewendet wird (siehe Abschnitt 4.5).


Begrenzte Daten deuten darauf hin, dass Azathioprin bei Patienten mit einem erblichen Mangel des Enzyms Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyl-Transferase (Lesch-Nyhan-Syndrom) nicht wirksam ist. Daher sollte Azathioprin nicht bei Patienten mit dieser Stoffwechselerkrankung verabreicht werden.


Es gibt Berichte über Fälle progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML) im Zusammenhang mit der Anwendung von Azathioprin bei verschiedenen Indikationen. Hauptsächlich waren Patienten mit Organtransplantation und systemischem Lupus erythematodes (SLE) betroffen (siehe Abschnitt 4.8). Alle Patienten erhielten Azathioprin in Kombination mit einer weiteren immunsuppressiven Substanz (zumeist Prednisolon). Ärzte sollten bei Patienten, die über neurologische Symptome berichten, differentialdiagnostisch eine PML in Betracht ziehen. Dies gilt insbesondere bei Patienten mit Organtransplantation und SLE. Bei entsprechenden klinischen Anzeichen, wie z.B. Hemiparese, Gang- oder Sprachstörungen, sollte ein Neurologe konsultiert werden.


Varicella-Zoster-Virus-Infektionen

(siehe Abschnitt 4.8)

Eine Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV; Windpocken und Herpes zoster) kann

unter der Behandlung mit Immunsuppressiva schwerwiegend verlaufen. Vor Behandlungsbeginn mit Immunsuppressiva sollte der verschreibende Arzt den Patienten daher auf eine VZV-Infektion in der Anamnese hin überprüfen. Serologische Untersuchungen können zur Bestimmung einer früheren Exposition hilfreich sein.

Patienten ohne VZV-Exposition in der Anamnese sollten jeglichen Kontakt mit Personen

mit Windpocken oder Herpes zoster vermeiden. Wenn solche Patienten trotzdem einer

VZV-Infektion ausgesetzt sein sollten, ist besondere Vorsicht geboten, um den Ausbruch

von Windpocken oder Herpes zoster bei diesen Patienten zu vermeiden. Außerdem

ist eine passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) in Betracht

zu ziehen. Falls der Patient bereits infiziert ist, sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die eine antivirale Therapie, eine Unterbrechung der Azathioprin-Therapie und eine unterstützende Behandlung einschließen können.


Mutagenität

Chromosomale Veränderungen wurden sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen

Patienten, die mit Azathioprin behandelt wurden, nachgewiesen. Die Rolle, die Azathioprin

bei der Entwicklung dieser Veränderungen spielte, ist schwer zu beurteilen.


Azathioprin und langwelliges UV-Licht zeigen synergistisch klastogene Wirkungen bei Patienten, die mit Azathioprin bei einer Reihe von Krankheiten behandelt wurden.


Karzinogenität

(siehe auch Abschnitt 4.8)

Patienten unter immunsuppressiver Behandlung haben ein erhöhtes Risiko, Non-

Hodgkin-Lymphome oder andere bösartige Geschwülste zu entwickeln, insbesondere

Karzinome der Haut (Melanom und andere Karzinome), Sarkome (Kaposi-Sarkom und

andere Sarkome) oder Zervixkarzinome in situ. Das Risiko scheint mit der Intensität und Dauer der Immunsuppression und weniger mit der Anwendung spezifischer Immunsuppressiva zusammenzuhängen. Über einen Zusammenhang zwischen einer Reduktion oder einem Absetzen der immunsuppressiven Therapie und einer teilweisen

oder vollständigen Regression von Non-Hodgkin-Lymphomen und Kaposi-Sarkomen

wurde berichtet.


Bei mit mehreren Immunsuppressiva behandelten Patienten besteht das Risiko einer ,,Über-Immunsuppression‘‘, daher sollte eine solche Therapie in der niedrigsten noch wirksamen Dosierung weitergeführt werden.


Wie bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Karzinome der Haut üblich, sollte die Exposition gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlung begrenzt werden. Die Patienten sollten zudem schützende Kleidung tragen und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.


Teratogenität/Empfängnisverhütende Maßnahmen

Da es beim Menschen widersprüchliche Befunde über ein teratogenes Potenzial von

Azathioprin gibt, sollten sowohl männliche als auch weibliche Patienten im reproduktiven

Alter während der Anwendung von Azathioprin empfängnisverhütende Maßnahmen

treffen. Männer sollten während und bis 6 Monate nach Ende der Behandlung keine

Kinder zeugen. Dies gilt auch für Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter

Fruchtbarkeit aufgrund chronischer Urämie, da sich die Fruchtbarkeit nach Transplantation

im Allgemeinen wieder normalisiert.


Fertilität

Sowohl die männliche als auch die weibliche Fertilität kann sich als Folge der Verbesserung

der Nierenfunktion nach Nierentransplantation und damit verbundener Behandlung

mit Azathioprin wieder normalisieren. Fallberichte deuten darauf hin, dass Intrauterinpessare

(Spirale, Kupfer-T) unter einer Azathioprin-Therapie versagen können. Daher sind andere oder zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahmen anzuraten (siehe Abschnitt 4.6).


Sonstige Bestandteile

Azamedac®, Tabletten enthalten Lactose-Monohydrat. Patienten mit der seltenen

hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption

sollten Azamedac®, Tabletten nicht einnehmen.


4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen


Xanthinoxidase-Inhibitoren (Gichtmittel)

Allopurinol, Oxipurinol oder Thiopurinol hemmen den Abbau von Azathioprin. Bei

gleichzeitiger Einnahme von Allopurinol, Oxipurinol oder Thiopurinol zusammen mit Azathioprin sollte daher die Azathioprin-Dosis auf ein Viertel der normalen Dosis reduziert

werden (siehe auch Abschnitte 4.2, 4.4 und 5.1).


Neuromuskulär blockierende Arzneimittel

Azathioprin kann die neuromuskuläre Blockade, hervorgerufen durch nicht-depolarisierende

Muskelrelaxantien wie Tubocurarin, verringern und die neuromuskuläre Blockade,

hervorgerufen durch depolarisierende Muskelrelaxantien wie Succinylcholin, verstärken. Das Ausmaß dieser Wechselwirkungen kann beträchtlich variieren, daher ist besondere Vorsicht bei der gleichzeitigen Gabe von Azathioprin und neuromuskulär blockierenden Arzneimitteln geboten (siehe auch Abschnitt 4.4).


Antikoagulanzien

Eine Verminderung der gerinnungshemmenden Wirkung von Warfarin wurde bei

gleichzeitiger Anwendung von Azathioprin beschrieben.


Myelosuppressive Arzneimittel

Die gleichzeitige Anwendung von Azathioprin und Arzneimitteln mit myelosuppressiven

Eigenschaften wie Penicillamin und Zytostatika kann die myelotoxischen Wirkungen

verstärken und muss daher vermieden werden (siehe auch Abschnitt 4.4).


Aminosalicylsäurederivate wie Olsalazin, Mesalazin oder Sulfasalazin hemmen das

Enzym TPMT (Thiopurin-Methyltransferase). Da hierdurch ein erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen besteht, ist bei gleichzeitiger Anwendung dieser Arzneimittel

mit Azathioprin Vorsicht geboten (siehe auch Abschnitt 4.4).


Bei gleichzeitiger Anwendung von Azathioprin mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Cimetidin,

Indometacin oder dem ACE-Inhibitor Captopril besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko für myelosuppressive Wirkungen.


Impfstoffe

Immunsupprimierte Patienten dürfen nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden, da bei ihnen die Gefahr einer Infektion durch den Lebendimpfstoff besteht (siehe auch Abschnitt 4.4).


Bei Impfstoffen aus abgetöteten Erregern oder Toxoiden ist eine verminderte Immunantwort

wahrscheinlich. Der Impferfolg sollte daher immer mit einer Titerbestimmung überprüft werden.


In einer kleineren klinischen Studie wurde gezeigt, dass therapeutische Standarddosen von Azathioprin die Immunantwort auf einen polyvalenten Pneumokokken-Impfstoff (auf Basis der mittleren antikapsulären spezifischen Antikörperkonzentration) nicht beeinträchtigen.


Sonstige Wechselwirkungen

In vitro wurde an menschlichem Lebergewebe gezeigt, dass Furosemid den Abbau von

Azathioprin vermindert. Die klinische Relevanz ist jedoch nicht bekannt.


4.6 Schwangerschaft und Stillzeit


Schwangerschaft

Im Tierversuch sind Missbildungen durch Azathioprin aufgetreten (siehe Abschnitt 5.3),

beim Menschen gibt es aber widersprüchliche Befunde über ein teratogenes Potenzial

von Azathioprin. Azathioprin darf in der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-

Risiko-Abwägung angewendet werden.


Sowohl männliche als auch weibliche Patienten im reproduktiven Alter sollten während der Anwendung von Azathioprin empfängnisverhütende Maßnahmen treffen. Männer sollten während und bis 6 Monate nach Ende der Behandlung keine Kinder zeugen. Dies gilt auch für Patienten mit eingeschränkter Fruchtbarkeit aufgrund chronischer Urämie, da sich die Fruchtbarkeit nach Transplantation im Allgemeinen wieder normalisiert.


Fallberichte deuten darauf hin, dass Intrauterinpessare (Spirale, Kupfer-T) unter einer

Azathioprin-Therapie versagen können. Daher sind andere oder zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahmen anzuraten.


Azathioprin und seine Metaboliten erscheinen in geringen Konzentrationen im fötalen Blutkreislauf und im Fruchtwasser nach mütterlicher Behandlung mit Azathioprin. Bei einer Reihe von Neugeborenen, deren Mütter Azathioprin während der Schwangerschaft einnahmen, wurde eine Veränderung des Blutbildes (Leukozytopenie und/oder Thrombozytopenie) festgestellt. Während der Schwangerschaft ist eine besonders sorgfältige hämatologische Überwachung anzuraten.


Bei einer Kombination von Azathioprin mit Prednison wurde bei intrauterin exponierten Neugeborenen eine vorübergehende Beeinträchtigung der Immunreaktion festgestellt. Es existieren Berichte über Frühgeburten und verringerte Geburtsgewichte nach mütterlicher Azathioprin-Exposition, insbesondere in Kombination mit Glukokortikosteroiden. Ferner liegen Berichte über spontane Aborte sowohl nach mütterlicher wie nach väterlicher Exposition vor.


Chromosomale Veränderungen, die im Laufe der Zeit verschwanden, wurden in Lymphozyten von Kindern gefunden, deren Eltern mit Azathioprin behandelt wurden. Mit

Ausnahme von extrem seltenen Fällen wurden keine sichtbaren physischen Anzeichen

für eine Abnormalität bei den Nachkommen von mit Azathioprin behandelten Patienten

beobachtet.


Stillzeit

Der aktive Metabolit von Azathioprin, Mercaptopurin, wurde im Kolostrum und in der

Muttermilch von Frauen nachgewiesen, die mit Azathioprin behandelt wurden. Deshalb

ist eine Therapie mit Azathioprin während der Stillzeit kontraindiziert (siehe Abschnitt

4.3). Falls eine Behandlung mit Azathioprin unumgänglich ist, muss abgestillt

werden.


4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen


Der klinische Zustand des Patienten und das Nebenwirkungsprofil von Azathioprin

sollten bei der Beurteilung der Fähigkeit des Patienten, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen, in Betracht gezogen werden.


Es wurden keine Studien zur Wirkung von Azathioprin auf die Verkehrstüchtigkeit und

die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen durchgeführt. Von der Pharmakologie des

Wirkstoffs Azathioprin kann eine schädliche Wirkung auf diese Tätigkeiten nicht abgeleitet

werden.


4.8 Nebenwirkungen


Für dieses Arzneimittel existiert keine klinische Dokumentation nach heutigen Maßstäben,

die eine exakte Häufigkeitsbeschreibung der Nebenwirkungen begründen würde.

Nebenwirkungen können je nach Indikation, Dosierung sowie Art der Kombination

mit anderen therapeutischen Mitteln unterschiedlich häufig auftreten.


Nachfolgend sind die Nebenwirkungen nach Systemorganklassen und Häufigkeit

aufgelistet. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1.000, <1/100), selten (≥1/10.000, <1/1.000), sehr selten (<1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)


Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Sehr häufig: Virale, mykotische und bakterielle Infektionen sowie Infektionen mit Protozoen bei Transplantatempfängern, die Azathioprin in Kombination mit anderen Immunsuppressiva erhalten

Gelegentlich: Virale, mykotische und bakterielle Infektionen sowie Infektionen mit Protozoen, bei Patienten mit anderen Indikationen

Nicht bekannt: Infektion mit bzw. Reaktivierung des JC-Virus mit Auslösung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML)


Patienten, die Azathioprin allein oder in Kombination mit anderen Immunsuppressiva,

insbesondere mit Glukokortikosteroiden, erhalten, besitzen eine erhöhte Anfälligkeit für

virale, mykotische und bakterielle Infektionen, einschließlich schwerer oder atypischer

Infektionen durch den Varicella-Zoster-Virus und andere infektiöse Erreger (siehe auch

Abschnitt 4.4). In diesen Fällen sollte die Dosis reduziert bzw. die Behandlung unterbrochen werden und gleichzeitig sofort eine hochdosierte antiinfektiöse Therapie eingeleitet werden.

Bei Verdacht auf das Vorliegen einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) sollte ein Neurologe konsultiert werden.


Gutartige, bösartige und unspezifische Neubildungen (einschließlich Zysten und Polypen)

Selten: Tumoren einschließlich Non-Hodgkin-Lymphome, Mammakarzinom, Adenokarzinom, Retikulumzellkarzinom, Karzinome der Haut (Melanom und andere Karzinome), Sarkome (Kaposi-Sarkom und andere Sarkome) und Zervixkarzinome in situ, akute myeloische Leukämien und Myelodysplasien (siehe auch Abschnitt 4.4)


Das Risiko, Non-Hodgkin-Lymphome und andere bösartige Geschwülste zu entwickeln,

insbesondere Karzinome der Haut (Melanom und andere Karzinome), Sarkome (Kaposi-Sarkom und andere Sarkome) und Zervixkarzinome in situ, ist bei Patienten, die immunsuppressiv wirkende Arzneimittel erhalten, und besonders bei Transplantatempfängern unter aggressiver Behandlung erhöht. Daher sollte eine derartige Therapie mit der niedrigsten noch wirksamen Dosierung weitergeführt werden. Das Auftreten von akuten myeloischen Leukämien und soliden Tumoren wurde auch bei Patienten mit rheumatoider Arthritis beobachtet, die mit Azathioprin behandelt wurden. Das erhöhte Risiko für die Entwicklung von Non-Hodgkin-Lymphomen bei immunsupprimierten Patienten

mit rheumatoider Arthritis im Vergleich zur normalen Bevölkerung scheint zumindest

teilweise auf die Erkrankung selbst zurückzuführen zu sein.


Berichte über akute myeloische Leukämien und Myelodysplasien (einige davon in Verbindung mit Chromosomenveränderungen) waren selten.


Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Sehr häufig: Knochenmarkdepression, Leukozytopenie

Häufig: Thrombozytopenie

Gelegentlich: Anämie, Leukozytose, Lymphopenie


Selten: Agranulozytose, Panzytopenie, Neutro­penie, aplastische Anämie, megaloblastische

Anämie und erythrozytäre Hypoplasie, MCV erhöht


Sehr selten: Hämolytische Anämie, Plasmozytose, Eosinophilie


Die häufigste Nebenwirkung von Azathioprin ist eine dosisabhängige, im Allgemeinen reversible Depression des Knochenmarks, die sich meistens als Leukozytopenie und/ oder

Thrombozytopenie, Anämie Leukozytose mit/ ohne Lymphopenie, makrozytäre Anämie, Neutropenie, Plasmozytose, Eosinophilie, leicht erhöhte MCV-Werte, Megaloblastenanämie, isolierte Störung der Erythropoese (Erythrozytenaplasie) und selten als Agranulozytose, Panzytopenie und aplastische Anämie äußert.

Sie tritt insbesondere bei Patienten auf, die durch TPMT-Mangel oder Leber- bzw. Nierenfunktionsstörungen für eine Myelosuppression prädisponiert sind, oder bei Patienten, bei denen bei gleichzeitiger Therapie mit Allopurinol die Azathioprin-Dosis nicht verringert wird.


Reversible, dosisabhängige Makrozytose und Erhöhungen des Hämoglobingehaltes

der roten Blutkörperchen sind unter Azathioprintherapie aufgetreten. Außerdem wurden

megaloblastäre Veränderungen des Knochenmarks beobachtet. Schwere megaloblastische

Anämie und erythrozytäre Hypoplasie sind jedoch selten.


Erkrankungen des Immunsystems

Sehr häufig: Immunsuppression (bei Transplantat­empfängern)

Häufig: Immunsuppression (bei Patienten mit anderen Indikationen)

Gelegentlich: Überempfindlichkeitsreaktionen

Sehr selten: Sweet-Syndrom (akute febrile neutrophile Dermatose), Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse, anaphylaktischer Schock


Eine Vielzahl verschiedener klinischer Syndrome, die als idiosynkratische Manifestationen

einer Überempfindlichkeitsreaktion gewertet werden können, wurde gelegentlich

nach Verabreichung von Azathioprin beschrieben. Klinische Symptome beinhalten

allgemeines Unwohlsein, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Fieber, Schüttelfrost,

Hautausschlag, Vaskulitis, Myalgie, Arthralgie, Hypotonie, Kreislaufkollaps, renale Dysfunktion, Leberfunktionsstörungen und Cholestase (siehe auch in Abschnitt 4.8 unter Leber- und Gallenerkrankungen). In vielen Fällen wurde ein Zusammenhang mit Azathioprin nach Re-Exposition bestätigt.


In sehr seltenen Fällen wurden Überempfindlichkeitsreaktionen

mit letalem Ausgang berichtet. Andere ausgeprägte Begleiterkrankungen können dazu beigetragen haben.


Sofortiges Absetzen von Azathioprin und, wenn nötig, Maßnahmen zur Unterstützung des Kreislaufs sind als Therapie meist ausreichend. Nach dem Auftreten einer Überempfindlichkeitsreaktion auf Azathioprin muss die Notwendigkeit einer weiteren Therapie mit Azathioprin in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen werden.


Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr selten: Negative Stickstoffbilanz


Erkrankungen des Nervensystems

Sehr selten: Verschlimmerung Myasthenia gravis bis zur Myasthenischen Krise, Parästhesien, Polyneuritis


Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Sehr selten: Reversible Pneumonitis, Alveolitis


Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: Übelkeit und Anorexie, bisweilen mit Erbrechen

Häufig: Pankreatitis

Gelegentlich: Diarrhö, Steatorrhö, Schluckbeschwerden

Selten: Kolitis, Divertikulitis und Darmperforation bei Transplantatempfängern,

schwere Diarrhö bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen


Gastrointestinale Störungen nach Einnahme von Azathioprin-haltigen Tabletten treten vorwiegend in Form von Übelkeit auf. Zur Reduktion gastrointestinaler Nebenwirkungen

sollten Azathioprin-haltige Tabletten immer zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen

werden.


Insbesondere bei Patienten nach Nierentransplantation und bei Patienten mit entzündlichen

Darmerkrankungen wurde über das Auftreten von Pankreatitiden unter Azathioprin-

Therapie berichtet. Es ist schwierig, die Pankreatitis mit der Anwendung eines

bestimmten Arzneimittels in Verbindung zu bringen, obwohl nach Re-Exposition gelegentlich

ein Zusammenhang mit Azathioprin bestätigt wurde.


Schwere Komplikationen einschließlich Kolitis, Divertikulitis und Darmperforation wurden

bei Transplantatempfängern unter immunsuppressiver Behandlung beschrieben. Die

Ätiologie ist jedoch nicht eindeutig bewiesen, ebenso können hoch dosierte Glukokortikosteroide beteiligt sein.


Bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen wurden schwere Durchfälle unter

Azathioprin-Therapie beobachtet, die bei Re-Exposition wieder auftraten. Bei einer Exazerbation dieser Symptome sollte bei diesen Patienten der mögliche Zusammenhang

mit der Azathioprin-Behandlung in Betracht gezogen werden.


Leber- und Gallenerkrankungen

Häufig: Cholestase und Verschlechterung von Leberfunktionswerten (Bilirubin erhöht, Alkalische Phosphatase erhöht, SGOT erhöht, SGPT erhöht)

Selten: Lebensbedrohliche Leberschädigungen, Lebervenenverschluss, Allergische Hepatitis

Sehr selten: Blutungen

Nicht bekannt: noduläre regenerative Hyperplasie


Dosisabhängig auftretende Cholestasen und Verschlechterungen der Leberfunktion

wurden gelegentlich im Zusammenhang mit einer Azathioprin-Therapie berichtet und

sind üblicherweise nach Absetzen der Behandlung mit Azathioprin reversibel. Diese

können mit Symptomen einer Überempfindlichkeitsreaktion im Zusammenhang stehen

(siehe auch in Abschnitt 4.8 unter Erkrankungen des Immunsystems).


Seltene, jedoch lebensbedrohliche Leberschädigungen in Verbindung mit chronischer

Einnahme von Azathioprin wurden hauptsächlich bei Transplantatempfängern beschrieben. Histologische Befunde umfassen sinusoidale Dilatation, Peliosis hepatis, Lebervenenverschluss und noduläre regenerative Hyperplasie. In einigen Fällen konnte

durch Absetzen der Behandlung mit Azathioprin eine vorübergehende oder andauernde

Erholung der histologischen Leberveränderungen und ihrer Symptomatik erreicht werden.

In seltenen Fällen kam es zu einem Lebervenenverschluss und zu einer allergischen Hepatitis bei Therapiebeginn.


Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Selten: Haarausfall


Haarausfall wurde sowohl unter Mono- als auch unter Kombinationstherapie mit Azathioprin

beobachtet. In vielen Fällen trat eine spontane Besserung trotz Weiterführung der

Behandlung ein. Der Zusammenhang zwischen Haarausfall und der Azathioprin-Behandlung

ist noch unklar.


Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Sehr selten: Polyarthritis, Polymyositis


Vereinzelt wurde das Auftreten einer Polyarthritis und Polymyositis beschrieben.


4.9 Überdosierung


Symptome

Die häufigste Auswirkung einer Überdosierung mit Azathioprin ist eine Myelosuppression

mit Störung des Blutbildes, die gewöhnlich ihr Maximum 9 bis 14 Tage nach der Überdosierung erreicht. Die Hauptsymptome der Myelosuppression sind Ulzerationen

im Mund- und Rachenraum, blaue Flecken, Fieber unklarer Genese und ungeklärte

Infektionen. Weiterhin können Spontanblutungen und starke Abgeschlagenheit auftreten.

Diese Symptome sind eher nach länger dauernder, geringgradiger Überdosierung als nach einer hohen Einzeldosis zu erwarten. Es liegt ein Bericht über einen Patienten vor, der 7,5 g Azathioprin als Einzeldosis eingenommen hatte. Sofort auftretende toxische Wirkungen dieser Überdosierung waren Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö, gefolgt von mittelgradiger Leukozytopenie und einer geringfügigen Störung der Leberfunktion. Die Erholung des Patienten war komplikationslos.


Behandlung

Es gibt kein spezifisches Antidot gegen Azathioprin. Magenspülungen sind angewendet

worden. Im Falle einer Überdosierung müssen vor allem das Blutbild und die Leberfunktion

überwacht werden, um auftretende Nebenwirkungen umgehend behandeln zu können.

Azathioprin ist dialysierbar. Deshalb kann die Dialyse zur Behandlung schwerer Überdosierungen eingesetzt werden.



5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN


5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften


Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva

ATC-Code: L04A X01


Azathioprin ist ein Imidazol-Derivat von 6-Mercaptopurin (6-MP). Es wird in vivo rasch in 6-MP und 1-Methyl-4-nitro-5-thioimidazol aufgespaltet. 6-MP passiert Zellmembranen rasch und wird intrazellulär in eine Anzahl von Purin-Thio-Analoga umgewandelt, zu denen als das wichtigste aktive Nukleotid die Thioinosinsäure gehört. Die Aktivität von 1-Methyl-4-nitro-5-thioimidazol ist bisher nicht ganz geklärt. In verschiedenen Systemen scheint es jedoch die Aktivität von Azathioprin im Vergleich zu 6-MP zu modifizieren. 6-MP wird außerdem durch die Xanthinoxidase, ein Enzym, das durch Allopurinol, Oxipurinol und Thiopurinol inhibiert

wird (siehe Abschnitte 4.2 und 4.5), zum inaktiven Metaboliten Thioharnsäure abgebaut.


Azathioprin unterdrückt die Immunantwort. Obwohl der genaue Mechanismus für diese

Wirkung nicht bekannt ist, wurden folgende Mechanismen postuliert:


Das freigesetzte 6-MP wirkt als Purin-Antimetabolit.

Mögliche Blockade von SH-Gruppen durch Alkylierung.

Hemmung mehrerer Stufen der Nukleinsäuresynthese und dadurch Hemmung der
Proliferation und Aktivität immunkompetenter Zellen (B- und T-Lymphozyten).

Störung der Desoxyribonukleinsäure (DNA)-Replikation durch Einbau der Purin-
Thio-Analoga in die DNA.


Infolge dieser Mechanismen kann die therapeutische Wirkung von Azathioprin erst nach

mehreren Wochen oder Monaten der Behandlung erkennbar sein (siehe Abschnitt 4.2).


In einer kontrollierten Studie an Patienten mit Myasthenia gravis erwies sich Azamedac®, Tabletten (2,5 mg/kg Körpergewicht/Tag) in Kombination mit Prednisolon in Bezug auf Therapieversager als signifikant besser im Vergleich zu Prednisolon und Placebo. Ferner war eine Glukokortikosteroid-einsparende Wirkung nach 15 Monaten ersichtlich. Nach 36 Monaten benötigten 63 % in der Azathioprin-Gruppe im Vergleich zu nur 20 % in der

Placebo-Gruppe keine Glukokortikosteroide mehr.


5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften


Resorption: Nach oraler Einnahme wird Azathioprin gut resorbiert. Maximale Plasmakonzentrationen werden 1 bis 2 Stunden nach der Einnahme erreicht. Es gibt keine

Korrelation zwischen den Plasmaspiegeln von Azathioprin und 6-Mercaptopurin und

der therapeutischen Wirksamkeit oder Toxizität von Azathioprin.


Verteilung: Azathioprin wird rasch im Körper verteilt. Die Plasmahalbwertszeit beträgt

3 bis 5 Stunden. Lediglich 30 % der Substanz werden an Plasmaproteine gebunden.

Azathioprin und seine Metaboliten sind liquorgängig.


Metabolisierung: Azathioprin wird zum

größten Teil zu 6-Thioinosinsäure und Methylmercaptopurin-Ribonukleotid metabolisiert,

welche teilweise für die Wirkung der Substanz verantwortlich sind.


Bei eingeschränkter Leberfunktion ist der Metabolismus von Azathioprin verändert.

Die Umwandlung in die aktiven Metaboliten ist eingeschränkt. Vor allem aber ist der Abbau

zu eliminierbaren Stoffwechselprodukten vermindert (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).


Exkretion: Bis zu 50 % einer Dosis werden mit dem Urin innerhalb von 24 Stunden nach

der Einnahme ausgeschieden, ca. 10 % davon in unveränderter Form. Nur 12,6 % der

Dosis erscheinen innerhalb von 48 Stunden in den Fäzes. Es gibt keinen Hinweis auf

einen enterohepatischen Kreislauf. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

kann eine Dosisreduzierung notwendig sein, da die Ausscheidung der aktiven Metaboliten

reduziert ist (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).


6-Mercaptopurin (Metabolit von Azathioprin) wird in Konzentrationen von 3,4 ng/ml bis

18 ng/ml mit der Muttermilch ausgeschieden.


Bioverfügbarkeit


Eine im Jahr 1985 durchgeführte Bioverfügbarkeitsuntersuchung an 12 Nierentransplantatempfängern ergab nach Applikation von 3 mg Azathioprin/kg Körpergewicht im Vergleich zum Referenzpräparat:



Testpräparat

Referenzpräparat

Maximale Plasma-konzentration



Cmax' (6-MP)

144 ± 41 nmol/l

144 ± 32 nmol/l

Zeitpunkt der maximalen Plasmakonzentration



tmax' (6-MP)

1,8 ± 0,4 h

1,8 ± 0,6 h

Fläche unter der Konzentrationszeit-Kurve,



(AUC0-), (6-MP)

474 ± 166 nmol×h/l

482 ± 182 nmol×h/l


Angabe der Werte als Mittelwert und Streubreite. Auswertung mit 10 Probanden.


6-MP = 6-Mercaptopurin


"Mittlere Plasmaspiegelverläufe im Vergleich zu einem Referenzpräparat in einem Konzentrations-Zeit-Diagramm"


5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit


In Embryotoxizitätsstudien zeigte Azathioprin in verschiedenen Tierspezies teratogene

oder embryoletale Wirkungen. Bei Kaninchen führten Dosen von 5 mg/kg bis 15 mg/

kg Körpergewicht/Tag zu Missbildungen des Skeletts. Bei Ratten und Mäusen kam es

nach Gabe von 1 mg/kg bis 2 mg/kg Körpergewicht/Tag zum Absterben der Embryonen.

In einer Reihe von In-vitro- und In-vivo- Tests erwies sich Azathioprin als mutagen.


In Langzeitstudien zur Kanzerogenität von Azathioprin an Mäusen und Ratten, in denen

Azathioprin bis zum Zweifachen der entsprechenden humantherapeutischen Dosierung

verabreicht wurde, traten vermehrt Lymphosarkome (Maus) und Plattenepitheltumoren

(Ratte) auf.



6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN


6.1 Liste der sonstigen Bestandteile


Kartoffelstärke, Lactosemonohydrat, Polyvidon K 25, Magnesiumstearat, hochdisperses

Siliciumdioxid.


6.2 Inkompatibilitäten


Nicht zutreffend.


6.3 Dauer der Haltbarkeit


5 Jahre


6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung


In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.


6.5 Art und Inhalt der Behältnisse


1 OP à 50 Tabletten (grüner Blisterstreifen)

1 OP à 100 Tabletten (grüner Blisterstreifen)

1 OP à 90 Tabletten (Rheumacontainer)


6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung


Azathioprin ist mutagen und potenziell karzinogen. Beim Umgang mit dieser Substanz

sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Bei der Handhabung von Azamedac Tabletten sollte das verantwortliche medizinische Fachpersonal die Richtlinien zum Umgang mit zytotoxischen Substanzen im Einklang mit aktuellen lokalen Empfehlungen oder Vorschriften beachten.


Nicht verwendete Arzneimittel oder Abfallmaterial sind entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen. Überschüssige Arzneimittel sowie kontaminierte Hilfsmittel sollten in deutlich gekennzeichneten Behältern zwischengelagert und sicher beseitigt

werden. Es wird die Hochtemperatur-Verbrennung empfohlen.



7. INHABER DER ZULASSUNG


medac

Gesellschaft für klinische

Spezialpräparate mbH

Fehlandtstraße 3

20354 Hamburg

Telefon: (0 4103) 8006 - 0

Fax: (0 4103) 8006 - 100



8. ZULASSUNGSNUMMER


Azamedac®, Tabletten

Zul.-Nr.: 15433.00.01



9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNGEN/ VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNGEN


15.06.1994 / 19.10.2009



10. STAND DER INFORMATION


Juni 2012



11. VERKAUFSABGRENZUNG


Verschreibungspflichtig.

SPC (DE) Azamedac® Tabletten 28

National version: 08.06.2012