iMedikament.de

Distickstoffmonoxid Medical 100% (V/V)

Document: 22.10.2012   Fachinformation (deutsch) change


Fachinformation



1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS


Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V)


2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG


1,00 l Gas enthält unter Standardbedingungen (1,013 bar, 15°C) als arzneilich wirksamen Bestandteil:

Distickstoffmonoxid (N2O, Lachgas) 1,00 l

Sonstige Bestandteile: s. Abschnitt 6.1


3. DARREICHUNGSFORM


Gas zur medizinischen Anwendung (druckverdichtet)


4. KLINISCHE ANGABEN


4.1 Anwendungsgebiete

Im Gemisch mit Sauerstoff:

- Zur Analgesie unter stationären Bedingungen in der klinischen Geburtshilfe.

- Zur Anästhesie-Einleitung und im Rahmen einer Kombinationsnarkose


Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) ist zur Inhalation oder zur künstlichen Zufuhr in die Lunge bestimmt. Es darf grundsätzlich erst nach Verdampfung (Überführung in den Gaszustand) und mit Hilfe von geeigneten Inhalationsgeräten bzw. Narkoseapparaten verabreicht werden. In der Allgemeinanästhesie werden als Dosierung von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) inspiratorische Konzentrationen von 50-70% und in der Geburtshilfe Konzentrationen von 20-50% empfohlen

Bei Anwendung von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) darf die inspiratorische Sauerstoffkonzentration 30% nicht unterschreiten.

Bei Patienten mit gestörter alveolärer Sauerstoffaufnahme (z.B. Emphysem, Lungenödem) muss der inspiratorische Sauerstoffanteil erhöht werden.

Die Anwendungszeit richtet sich nach der Dauer der Narkose und sollte in der Regel 6 Stunden nicht überschreiten.

Dosierungen bei Kindern unterscheiden sich nicht von den Erwachsenen-Dosierungen.


4.3 Gegenanzeigen

- Überempfindlichkeit gegen Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V)

- Vitamin B12-Mangel

- Erhöhter Hirndruck

Da Distickstoffmonoxid rasch in lufthaltige Hohlräume diffundiert, kommt es zu einer Volumenzunahme des Hohlraumes und/oder zu einer Erhöhung seines Innendrucks. Daher soll Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) bei Patienten mit Pneumothorax, Ileus, Mediastinalemphysem, Emphysemblasen, Pneumopericard, Luftembolien und Gaseinschlüssen im Glaskörper sowie z.B. bei Mittelohrchirurgie, Pneumoenzephalographie, bei Operationen in sitzender Position und nach extrakorporaler Zirkulation nicht angewendet werden.



4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) darf nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden bei:

- schwerer pulmonaler Funktionsstörung (mit Hypoxämie)

- schwerer Herzinsuffienz


Die Anwendung von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) darf nur erfolgen, wennrespiratorische und kardiozirkulatorische Komplikationen zuverlässig erkannt und sofort adäquat behandelt werden können.

Bei einer Luft- oder Gasembolie muss die Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V)-Zufuhr sofort unterbrochen werden.

Nach Beendigung der Inhalation von Distickstoffmonoxid erfolgt die initiale Rückdiffusion aus dem Blut in die Alveolen so rasch, dass eine verdünnungsbedingte Abnahme der alveolären Sauerstoffkonzentration (Diffusionshypoxie) auftreten kann. Vorbeugend sollte deshalb in den ersten 5-10 Minuten nach Beendigung der Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V)-Zufuhr reiner Sauerstoff appliziert werden.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) kann in die Blockermanschette eines Endotrachealtubus diffundieren und diese aufblähen. Hierdurch kann es zu einer Atemwegsverlegung oder zu einer Druckschädigung der Trachea kommen. Eine regelmäßige Kontrolle des Cuffdruckes ist daher angezeigt. Vorbeugend kann die Blockermanschette mit Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) statt mit Luft gefüllt werden.

Die gesetzlich vorgeschriebene maximale Arbeitsplatzkonzentration beträgt 100 ppm. Berichte über mögliche Schädigungen durch eine berufsbedingte Exposition beim Anästhesiepersonal sind widersprüchlich. Diskutiert werden Fertilitätsstörungen, eine erhöhte Anzahl von Aborten, Missbildungen, Karzinome, Parenchymschäden an Leber und Nieren sowie ZNS-Störungen.

Es besteht ein Abususpotential.


4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Bei Anwendung mehrerer zentral dämpfender Pharmaka muss mit einer Wirkungsverstärkung gerechnet werden.

Die myokardiale Kontraktilität kann bei einer Kombination von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) mit Opioiden negativ beeinflusst werden.

Naloxon schwächt die analgetische Wirkung von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) ab.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) verstärkt unerwünschte Wirkungen von Methotrexat.

Bei der Kombination von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) mit anderen Inhalationsanästhetika kommt es zu einer erhöhten Aufnahmerate der anderen Gase (Second Gas Effect).

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) erniedrigt die MAC-Werte anderer Inhalationsanästhetika.


4.6 Schwangerschaft und Stillzeit

Auch wenn bisherige Erfahrungen mit einer therapeutischen Anwendung von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) in Kombination mit anderen Wirkstoffen bei Schwangeren kein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Missbildungen gezeigt haben, sollte Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel nicht und im letzten Schwangerschaftsdrittel nur nach sorgfältiger Nutzen-/Risiko-Abwägung durch einen Arzt angewendet werden.

In Tierversuchen wurden nach Gabe von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) Knochen- und Organmissbildungen, Wachstumsretardierungen sowie embryo- und fetoletale Effekte beobachtet.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) ist plazentagängig und die Narkosetiefe des ungeborenen Kindes entspricht der der Mutter.

Bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) erhielten, sollte in den ersten Lebensjahren auf neurologische Entwicklungsstörungen geachtet werden.

Bei einem Einsatz von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) in der Geburtshilfe ist bei Neugeborenen auf hypoxische Zustände zu achten.

Bei Frühgeborenen kann das Auftreten von Hirnblutungen durch Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) zusätzlich erhöht sein. Diese Kinder sind daher besonders sorgfältig zu überwachen.

Es ist nicht bekannt, in welchem Umfang Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) in die Muttermilch übertritt. Daher sollte nach einer Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) Exposition das Stillen erst nach sorgfältiger Nutzen-/ Risiko-Abwägung wieder aufgenommen werden.


Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Nach einer Narkose mit Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) darf der Patient nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen; über den Zeitfaktor hat der Arzt individuell zu entscheiden. Der Patient sollte sich nur in Begleitung nach Hause begeben und keinen Alkohol zu sich nehmen.


4.8 Nebenwirkungen

Obwohl nur eine geringe Wirkung auf den Kreislauf zu erwarten ist, kann es zur Senkung des Blutdrucks, zur Abnahme des Schlagvolumens und zur Steigerung des pulmonalvaskulären Widerstandes kommen.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) kann zu einer Dilatation der Hirngefäße mit nachfolgender Steigerung des intrakraniellen Druckes führen.

Über das Auftreten einer malignen Hyperthermie unter Distickstoffmonoxid ist sehr selten (< 1/10 000 Fällen) berichtet worden.

Übelkeit und Erbrechen können auftreten.

Euphorien, Träume und Phantasien werden beschrieben.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) kann Vitamin B12 inaktivieren und dadurch die DNA-Synthese beeinträchtigen. Bei wiederholter Anwendung oder langer Anwendungsdauer besteht die Gefahr der Knochenmarksdepression, Myelopathien und peripherer Neuropathien. Myelopathien, Knochenmarksdepression und Neuropathien können auch schon nach einmaliger Anwendung von Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V ) auftreten, auch ohne diagnostizierten Vitamin B12 Mangel.


4.9 Überdosierung

Als Symptome einer Überdosierung können Hypoxie, Kreislaufdepression, Agitation oder Somnolenz bis Bewusstlosigkeit auftreten.

Der Patient ist mit reinem Sauerstoff kontrolliert zu beatmen, gegebenenfalls sind kreislaufunterstützende Maßnahmen erforderlich.

Ein spezielles Antidot existiert nicht.


5. Pharmakologische Eigenschaften


5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) ist ein Gas, das stark analgetisch und schwach narkotisch wirkt.

Die Willkürmotorik bleibt unbeeinflusst.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) wirkt einerseits negativ inotrop, führt aber andererseits zu einer Stimulierung des Sympathikus. Welcher Effekt die klinische Wirkung dominiert, hängt u.a. auch von der Begleitmedikation ab (z.B. hohe sympathikolytische Potenz der Opioide).


5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) ist ein stabiles, reaktionsträges, farb- und geruchloses Gas, das schwerer als Luft ist.


Physikochemische Eigenschaften:

Molekulargewicht: 44,02 g/mol

Siedepunkt bei 1 atm - 89ºC (184,7 K)

Dampfdruck bei 20ºC 57,3 bar

Dichte (0ºC, 1,013 bar) 1,97 kg m-3

Dichteverhältnis zur Luft (=1) 1,53

Verteilungskoeffizienten

Blut/Gas 0,47

Öl/Gas 1,4

Gehirn/Blut 1,1

Die mittlere minimale aveoläre Konzentration (MAC) beträgt 105 Vol%.

Entsprechend dem niedrigen Blut/Gas-Verteilungskoeffizienten ist die Steuerbarkeit der Anästhesie mit Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) sehr gut. Bei der Maskeneinleitung in Spontanatmung und normalen Herz-Kreislauf-Verhältnissen wird eine 50%ige alveoläre Gassättigung innerhalb von ca. 1 Minute erreicht.

Distickstoffmonoxid medicAL 100 % (V/V) verteilt sich in Abhängigkeit der regionalen Durchblutung auf alle Körpergewebe.

Über die Biotransformation existieren keine verlässlichen Untersuchungen.

Die Elimination erfolgt überwiegend über die Lunge; geringe Mengen werden über Haut und Darm eliminiert.


5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Bisherige In-vitro-Tests mit Distickstoffmonoxid zur genetischen Toxikologie zeigten positive und negative Befunde. In-vivo-Tierstudien dagegen verliefen negativ. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die In-vitro-Befunde für die In-vivo-Situation keine Bedeutung haben und unter den Bedingungen der sachgemäßen klinischen Anwendung kein relevantes genotoxisches Potential für Distickstoffmonoxid vorliegt.

Eine 78-Wochen-Studie an Mäusen zur Kanzerogenität von Distickstoffmonoxid verlief negativ.

Bei Ratten führte in einer Studie die kombinierte Gabe von Distickstoffmonoxid und Ketamin über 3 Stunden zu einer histologisch nachgewiesenen weit höheren Neurotoxizität als die Gabe der jeweiligen Stoffe allein.

In einer Fertilitätsstudie an männlichen Ratten zeigten sämtliche Tiere unter Begasung mit 20% Distickstoffmonoxid nach 14 Tagen reversible Spermatogeneseschädigungen.


6. Pharmazeutische Angaben


Liste der sonstigen Bestandteile

Keine


Inkompatibilitäten

Keine


Dauer der Haltbarkeit

5 Jahre


Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Im Originalbehältnis aufbewahren. Das Behältnis fest verschlossen halten. Vor Sonneneinstrahlung und Wärmeeinwirkung schützen; nicht über 40°C erwärmen.

Druckgasflasche gegen Umfallen sichern.

Nicht in Treppenhäusern, Fluren, Durchgängen und Aufenthaltsräumen lagern.

Bei Lagerung, Verwendung und Betreiben von Behältern mit Distickstoffmonoxid sind insbesondere die Unfallverhütungsvorschrift BGV B 6 „Gase“, die Verordnung zur Betriebs- und Anlagensicherheit sowie die Technischen Regeln Druchgase (TRG) – insbesondere die Nr. 280 – zu beachten.


Art und Inhalt der Behältnisse

Die Druckgasbehälter sind mit einer Gasart spezifischen Farbkennzeichnung versehen, blaue Schulter mit schwarzem N und weißem Behälterkörper.


1 Liter-Druckgasflasche mit 0,8 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 0,4 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)

2 Liter-Druckgasflasche mit 1,5 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 0,8 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)

3 Liter-Druckgasflasche mit 2,3 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 1,3 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)

10 Liter-Druckgasflasche mit 8,0 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 4,3 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)

40 Liter-Druckgasflasche mit 30,0 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 16,2 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)

50 Liter-Druckgasflasche mit 37,5 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 20,3 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)

Druckgasflaschenbündel mit 12 Flaschen à 50 Liter (je 37,5 kg) mit insgesamt 450 kg druckverdichtetem Gas (57,3 bar, 15°C), entsprechend einem entnehmbaren Volumen von 243,5 m³ (bei 1,013 bar, 15 °C)


Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung

Nur für den Verwendungszweck zugelassene Armaturen (geeigneten Druckminderer) verwenden. Alle Leitungen und Armaturen sind öl- und fettfrei zu halten.

Gasentnahme nur erlaubt bei stehendem Druckgasbehälter.

Eine missbräuchliche Verwendung sowie eine Füllung durch den Verbraucher oder Dritte ist nicht statthaft.

Nur Originalabfüllungen der Hersteller dürfen für medizinische Zwecke verwendet werden.

Die höchstzulässige Füllmasse ist auf der Flaschenschulter eingeprägt.

Nicht verbrauchte Mengen an Distickstoffmonoxid werden vom Pharmazeutischen Unternehmer zurückgenommen.

Nur bis zu einem Restdruck von 10 bar entleeren, um eine Kontamination zu vermeiden und die sichere Funktion auch nach Wiederbefüllen zu gewährleisten. Die Einhaltung des Restdrucks ist sicherzustellen.

Druckbehälter für Distickstoffmonoxid dürfen zur Reinigung nicht mit toxischen, schlafinduzierenden, zur Narkose führenden oder den Respirationstrakt bei der Anwendung reizenden Substanzen behandelt werden.


Distickstoffmonoxid ist schwerer als Luft und es kann bei unkontrolliertem Austritt durch Verdrängung der Atemluft Erstickungsgefahr eintreten. Es unterstützt intensiv die Verbrennung und kann heftig mit brennbaren Stoffen reagieren. Eine erhöhte Brandgefahr ist zu berücksichtigen.


7. Inhaber der Zulassung


AIR LIQUIDE Medical GmbH

Hans-Günther-Sohl-Straße 5

D-40235 Düsseldorf


8. Zulassungsnummer


6196262.00.00


9. Datum der Erteilung der Zulassung/Verlängerung der Zulassung


06.05.2004


10. Stand der Information


Dezember 2010


11. Verkaufsabgrenzung


Apothekenpflichtig


14b0f4d19b81ce752de71a765e59d5c0.rtf Seite 9 von 9