Pertenso N
23
Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels/SPC)
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
pertenso® N 2,5 mg/25 mg/60 mg Hartkapseln
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Hartkapsel enthält:
2,5 mg Bendroflumethiazid
25 mg Hydralazinhydrochlorid
60 mg Propranololhydrochlorid
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Hartkapsel (orangefarbenes Oberteil und gelbes Unterteil) mit weißem bis cremefarbenem Pulver
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Schwerste Hypertonieformen, wenn eine vorausgegangene Therapie mit den Einzelsubstanzen nicht zu einer ausreichenden Blutdruckeinstellung geführt hat
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Die Höhe der Tagesdosis und die Verteilung der Hartkapseln über den Tag bestimmt der Arzt. Soweit nichts anderes verordnet, gelten folgende Dosierungsrichtlinien:
2mal täglich 1 Hartkapsel Pertenso N.
Art der Anwendung
Die Hartkapseln sind unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einzunehmen.
Zur Überwachung der Therapie empfiehlt sich generell Pulskontrolle: Der Puls sollte in Ruhe nicht unter 50 Schläge/min abfallen.
Wird die Behandlung mit Pertenso Nnach längerer Anwendung unterbrochen oder abgesetzt, soll sie nicht abrupt, sondern grundsätzlich ausschleichend beendet werden.
Die Behandlung mit Pertenso Nist in der Regel eine Langzeittherapie. Eine Unterbrechung oder Änderung darf nur auf ärztliche Anordnung hin erfolgen.
Gegenanzeigen
Pertenso N ist kontraindiziert bei:
Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe, andere Beta-Rezeptorenblocker, Dihydralazin sowie andere Thiazide oder Sulfonamideoder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile
manifester Herzinsuffizienz
frischem Myokardinfarkt
AV-Block II. oder III. Grades
Bradykardie (Ruhepuls vor Behandlungsbeginn unter 50 Schlägen pro Minute)
Sinusknoten-Syndrom (sick sinus syndrome)
sinuatrialem Block
Hypotonie
gleichzeitiger Gabe von MAO-Hemmstoffen (ausgenommen MAO-B-Hemmstoffe)
idiopathisch und medikamentös induziertem Lupus-erythematodes
Aortenaneurysma
Herzklappenstenosen
hypertropher Kardiomyopathie
isolierter Rechtsherzinsuffizienz infolge pulmonaler Hypertonie
akuter Glomerulonephritis
Hypovolämie
Hyperkalzämie
Gicht
-
Schock
-
maligner Hypertonie
-
bronchialer Hyperreagibilität (z. B. bei Asthma bronchiale)
-
schwerer Lebererkrankungen (Coma hepaticum)
-
schwerer Nierenerkrankungen (Serumkreatinin über 1,8 mg/100 ml, Kreatinin-Clearance kleiner als 30 ml/min)
-
schwerer Durchblutungsstörungen des Gehirns, der Herzkranzgefäße und der peripheren Gefäße (Arme, Beine)
-
therapieresistenter Hypokaliämie, Hyponatriämie, metabolischer Azidose
Die intravenöse Applikation von Calciumantagonisten vom Verapamil- und Diltiazemtyp oder anderen Antiarrhythmika (wie Disopyramid) bei Patienten, die mit Pertenso Nbehandelt werden, ist kontraindiziert (Ausnahme: Intensivmedizin).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung ist erforderlich bei:
AV-Block I. Grades
Diabetes mellitus mit stark schwankenden Blutzuckerwerten
Hypoglykämieneigung z. B. bei längerem Fasten und schwerer körperlicher Belastung
Phäochromozytom: Pertenso Nerst nach vorheriger Alphablockade verabreichen
eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion (siehe Abschnitt 4.8).
Hypotonie
Bei Patienten mit Psoriasis in der Eigen- oder Familienanamnese sollte die Verordnung von Beta-Rezeptorenblockern nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Beta-Rezeptorenblocker können die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen und die Schwere anaphylaktischer Reaktionen erhöhen. Deshalb ist eine strenge Indikationsstellung bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen in der Vorgeschichte und bei Patienten mit Desensibilisierungstherapie (Vorsicht: überschießende anaphylaktische Reaktionen) geboten.
Da unter der Therapie mit anderen Beta-Rezeptorenblockern schwere Leberschäden beobachtet wurden, sollten die Leberwerte regelmäßig überprüft werden.
Besondere Vorsicht ist bei Langsam-Acetylierern geboten, die den Wirkstoff Hydralazin langsam abbauen.
Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Pertenso Nnicht einnehmen.
Die Anwendung von Pertenso Nkann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Anwendung von Pertenso Nkann zu Wechselwirkungen mit folgenden Mitteln führen:
Arzneimittel |
Wechselwirkung |
|
|
Wirkungsverstärkung |
|
|
|
Barbiturate, Phenothiazine, trizyklische Antidepressiva, gefäßerweiternde Mittel, Alkohol, Diuretika, Nitroglycerin |
Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung |
Blutdrucksenkende Mittel |
Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung, |
Calciumantagonisten vom Typ Verapamil, Diltiazem, Antiarrhythmika (wie z.B. Disopyramid) |
Hypotonie, Rhythmusstörungen z. B. Bradykardie (deshalb sollte während der Behandlung mit Pertenso N die i.v. Verabreichung von Calciumantagonisten und Antiarrhythmika unterbleiben) |
Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ |
Verstärkte Blutdrucksenkung, gelegentlich Ausbildung einer Herzinsuffizienz |
Chinidin |
Verminderte Chinidinausscheidung |
Cimetidin |
Wirkungsverstärkung durch Erhöhung des Plasmapropranololspiegels |
Diazoxid |
Überwachung des Patienten wegen der Möglichkeit eines bedrohlichen Blutdruckabfalles erforderlich, Anstieg von Blutzucker und Harnsäure |
Glucocorticoide, Laxativa |
Vermehrte Kaliumausscheidung |
Herzglykoside |
Glykosidwirkung bei Kaliummangel verstärkt. Es kann zu Rhythmusstörungen kommen |
Lithium |
Die kardio- und neurotoxische Wirkung von Lithium in höherer Dosierung kann durch Saluretika wie Bendroflumethiazid verstärkt werden. |
Narkotika |
Da die Herzleistung während einer Narkose beeinträchtigt werden kann, sollte der Anästhesist über die Behandlung mit Pertenso N informiert werden. |
Nichtdepolarisierende Muskelrelaxantien |
Verstärkung der muskelrelaxierenden Wirkung |
Reserpin, Alpha-Methyldopa, Clonidin und Guanfacin |
Verstärkter Abfall von Blutdruck und Herzfrequenz, zu Clonidin siehe unten |
Katecholamine |
Vasokonstriktion und damit Blutdruckanstieg vermindert |
Colestyramin |
Verminderte Absorption von Thiaziden |
Salicylate, nichtsteroidale Antiphlogistika |
Abschwächung der antihypertensiven und diuretischen Wirkung. Die toxische Wirkung hoher Dosen von Salizylaten auf das ZNS kann verstärkt werden. |
Urikosurika |
Verminderung der harnsäuresenkenden Wirkung |
|
|
Andere Wechselwirkungen |
|
Insulin, orale Antidiabetika |
Verstärkung einer Hypoglykämie (unter Propranolol), hyperglykämische Wirkung (unter Bendroflumethiazid). Die Symptome einer Hypoglykämie (besonders die Tachykardie) sind maskiert oder abgemildert. Bei Patienten ohne Kohlenhydratstoffwechselstörungen wurden bisher keine signifikanten Veränderungen des Blut-Glukosespiegels beobachtet. Bei Diabetikern kann jedoch in Einzelfällen eine Anpassung der Diät und/oder der Dosis von Antidiabetika notwendig sein. |
Monoaminooxidase-Hemmer |
Der Blutzucker kann abfallen, krisenhafter Blutdruckanstieg, aber auch Blutdruckabfall sind möglich. |
Clonidin |
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Pertenso N - entsprechend anderen betablockerhaltigen Kombinationen - und Clonidin darf dieses erst abgesetzt werden, wenn einige Tage zuvor Pertenso N nicht mehr verabreicht wurde. Man vermeidet damit eine vorübergehende überschießende Sympathikuswirkung (wichtig besonders für Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt). |
Aus pharmakokinetischen Studien geht hervor, dass es zwischen Propranololhydrochlorid und Chinidin bzw. Propafenon, Rifampicin, Theophyllin, Warfarin, Thioridazin sowie Calciumantagonisten vom Dihydropyridintyp wie Nifedipin, Nisoldipin, Nicardipin, Isradipin und Lacidipin zu Wechselwirkungen kommen kann, da Leberenzymsysteme, die Propranololhydrochlorid und diese Wirkstoffe metabolisieren, beeinflusst werden können. Die Konzentrationen von Propranololhydrochlorid und diesen Wirkstoffen im Blut können verändert werden, so dass gegebenenfalls eine Dosisanpassung erforderlich ist (siehe auch Wechselwirkungen mit Calciumantagonisten vom Nifedipintyp).
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
Pertenso Ndarf während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Durch individuell auftretende unterschiedliche Reaktionen kann besonders bei Behandlungsbeginn die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden. Dies gilt in verstärktem Maße bei Behandlungsbeginn und Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol.
4.8 Nebenwirkungen
Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:
Sehr häufig ( 1/10)
Häufig ( 1/100 bis < 1/10)
Gelegentlich ( 1/1 000 bis < 1/100)
Selten ( 1/10 000 bis < 1/1 000)
Sehr selten (< 1/10 000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Gelegentlich:
Rhinitis
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Sehr selten:
aplastische Anämie
Gelegentlich:
Thrombozytopenie oder Purpura
Selten:
Anämie, Leukopenie
Sehr selten:
Agranulozytose
Erkrankungen des Immunsystems
Sehr selten:
anaphylaktische Reaktionen (z.B. Exantheme, Urtikaria, Pruritus)
Endokrine Erkrankungen
Bei Patienten mit Hyperthyreose können die klinischen Zeichen einer Thyreotoxikose (Tachykardie und Tremor) maskiert sein.
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Hypomagnesiämie, Hypochlorämie, Hyperkalzämie, Flüssigkeitsverluste aufgrund gesteigerter Diurese, metabolische Alkalose
Nach längerem strengen Fasten oder schwerer körperlicher Anstrengung kann es zu hypoglykämischen Zuständen kommen. Warnzeichen einer entstehenden Hypoglykämie (z.B. Schwitzen, Unruhe, Tachykardie, Tremor) können verschleiert werden.
Bei disponierten Patienten können Gichtanfälle ausgelöst werden.
Es kann zu Störungen im Fettstoffwechsel kommen. Bei meist normalem Gesamtcholesterin wurde eine Verminderung des HDL-Cholesterins und eine Erhöhung der Triglyceride im Plasma beobachtet.
In seltenen Fällen kann ein latenter Diabetes mellitus in Erscheinung treten oder ein bereits bestehender sich verschlechtern.
Bei älteren Patienten, Neugeborenen, Säuglingen, Kleinkindern, Dialysepatienten, Patienten mit begleitender antidiabetischer Therapie und bei chronisch leberkranken Patienten kann sehr selten eine Hypoglykämie auftreten (siehe Abschnitte 4.3 Gegenanzeigen, 4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, 4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen).
Psychiatrische Erkrankungen
Häufig:
Schlafstörungen, depressive Verstimmungen / Depression, Alpträume, Halluzinationen, Orientierungsstörung
Gelegentlich:
Psychosen
Selten:
Angstzustände
Erkrankungen des Nervensystems
Erkrankungen peripherer Nerven (periphere Neuropathie)
Häufig:
Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Benommenheit, Verwirrtheit, Nervosität, Parästhesien an den Gliedmaßen
Gelegentlich:
Es kann zu einem der Myasthenia gravis ähnlichen Krankheitsbild kommen.
Sehr selten:
Verstärkung einer bestehenden Myasthenia gravis
Augenerkrankungen
Gelegentlich:
verminderter Tränenfluss (vor allem beim Tragen von Kontaktlinsen zu beachten), Konjunktivitis
Selten:
Keratokonjunktivitis, Sehstörungen, Verschlimmerung einer bestehenden Kurzsichtigkeit
Herzerkrankungen
Häufig:
verstärkter Blutdruckabfall, Bradykardie, Synkope, Palpitationen, Atrioventrikulärer Block, Verstärkung einer Herzmuskelschwäche
Sehr selten:
Bei Patienten mit Angina pectoris ist eine Verstärkung der Anfälle nicht auszuschließen.
Aufgrund des in Pertenso Nenthaltenen Hydralazins können in Einzelfällen zusätzlich vermehrte Angina pectoris-Anfälle auftreten.
Gefäßerkrankungen
Häufig:
Kältegefühl an den Gliedmaßen
Gelegentlich:
verstärkter Blutdruckabfall mit Orthostase
Selten:
bei zuvor bestehenden Venenerkrankungen Thrombosen und Embolien, Vasculitis
Sehr selten:
Eine Verstärkung der Beschwerden bei Patienten mit Claudicatio intermittens – vorübergehend zu Behandlungsbeginn - und bei Patienten mit Raynaud’scher Krankheit wurde beobachtet.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraumes und des Mediastinums
Infolge einer möglichen Erhöhung des Atemwegswiderstandes kann es bei Patienten mit Neigung zu bronchospastischen Reaktionen (z. B. bei asthmoider Bronchitis) zu Atemnot kommen.
Selten:
akute interstitielle Pneumonie
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Häufig:
Vorübergehend können Magen-Darmbeschwerden (z. B. Übelkeit, Erbrechen, krampfartige Beschwerden im Bauchraum, Verstopfung (Obstipation), Durchfall) auftreten.
Gelegentlich:
Mundtrockenheit,Hyperamylasämie
Selten:
Pankreatitis
Sehr selten:
in Einzelfällen paralytischer Ileus
Leber- und Gallenerkrankungen
Selten:
bei vorbestehender Cholelithiasis: akute Cholezystitis
Leberfunktionsstörungen, Ikterus
Sehr selten:
in Einzelfällen Hepatitis
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Häufig:
Schwitzen, (allergische) Hautreaktionen (z. B. Hautausschläge, Juckreiz), Haarausfall, Hautrötung (Flush)
Gelegentlich:
erhöhte Photosensibilität
Selten:
photoallergisches Exanthem, Urtikaria
Sehr selten:
Beta-Rezeptorenblocker (z. B. Propranolol) können eine Psoriasis auslösen, die Symptome dieser Krankheit verschlechtern oder zu psoriasiformen Hautausschlägen führen.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Gelegentlich:
Muskelschwäche, Muskelkrämpfe (z. B. Wadenkrämpfe) und Muskelschmerzen (z. B. Verspannungen)
Sehr seltenkann ein reversibles, Lupus erythematodes-ähnliches Syndrom (bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz und „Langsam-Acetylierern“) mit Fieber, bestimmten Hautreaktionen, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Konjunktivitis, Glomerulonephritis sowie dem Nachweis von antinukleären Antikörpern auftreten. Beim Auftreten eines LE-ähnlichen Syndroms ist Pertenso Nsofort abzusetzen.
Sehr selten:
wurde bei Langzeittherapie Arthropathie (Mono- und Polyarthritis) beobachtet.
Rheumaähnliche Gelenkschmerzen
Erkrankungen der Nieren und Harnwege
Selten:
akute interstitielle Nephritis
Sehr selten:
Miktionsstörungen
Bei schweren Nierenfunktionsstörungen wurde über eine Verschlechterung der Nierenfunktion berichtet. Deshalb sollte während der Therapie mit Pertenso Ndie Nierenfunktion entsprechend überwacht werden.
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Sehr selten:
Libido- und Potenzstörungen
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
Häufig:
Müdigkeit
Gelegentlich:
Ödeme
Vereinzelt kommt es zu Fieber.
Untersuchungen
Im Verlauf der Behandlung kann es zu einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut, häufig mit einer Verminderung des Serumkalium- und Serumnatriumspiegels kommen. Daher sind unter der Behandlung mit Pertenso Nregelmäßige Kontrollen der Kaliumwerte im Serum erforderlich, insbesondere bei Patienten, die gleichzeitig Digitalispräparate erhalten.
Es kann zu Hypomagnesiämie, Hypochlorämie, Hyperkalzämie und Flüssigkeitsverlusten aufgrund gesteigerter Diurese kommen. Es kann zur metabolischen Azidose kommen.
Vor allem bei Patienten, die zuckerkrank sind oder unter Gicht leiden, müssen regelmäßig die entsprechenden Kontrollen der Stoffwechsellage (Harnsäure, Nüchternblutzucker) erfolgen.
Gelegentlich:
tritt vor allem zu Behandlungsbeginn ein reversibler Anstieg stickstoffhaltiger harnpflichtiger Stoffe (Harnstoff, Kreatinin) auf.
Sehr selten:
kann es zu einer Erhöhung der Transaminasen (GOT, GPT) im Serum kommen.
4.9 Überdosierung
Symptome
Beta-Rezeptoren-Blocker (Propranolol)
Bradykardie, Schwindel, Blutdruckabfall, Blässe, Ohnmacht (Adams-Stokes-Anfälle möglich), evtl. Bronchospasmus und Krämpfe, ggf. Herzinsuffizienz, Herzstillstand, Oligurie, Azidose, evtl. auch zentrale Erregung
Diuretikum (Bendroflumethiazid)
Eventuelle gastrointestinale Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen; durch vermehrte Urinausscheidung Störung des Wasser- und Elektrolythaushaltes mit möglicher Kalium- bzw. Natriumverarmung und Blutdruckabfall; Exsikkose; Somnolenz; Digitalisüberempfindlichkeit!
Vasodilatator (Hydralazin)
Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle; Blutdruckabfall und Tachykardie (hier antagonisiert durch Propranolol), Herzschmerzen, Dyspnoe; Nasenschleimhautschwellung, Konjunktivitis, Flush, Urtikaria; Flüssigkeitsretention (hier antagonisiert durch Bendroflumethiazid); in schweren Fällen Parästhesien; Tremor, Muskelkrämpfe.
Therapie
Sofort Erbrechen, Kohle (10 g), Plasmaexpander, Magenspülung, Kohleinstillation.
Bei Einnahme einer Überdosis Pertenso N, z. B. in suizidaler Absicht, ist primär innerhalb weniger Stunden mit einer ausgeprägten Hypotension, vorwiegend infolge Vasodilatation, zu rechnen, während die reflektorischen Auswirkungen auf das Herz durch den Betablocker weitgehend kompensiert werden dürften.
Darüber hinaus ist eine länger andauernde verstärkte Diurese zu erwarten. Volumensubstitution mit Plasmaexpandern wie Haes 6 %, Elektrolyt-, Natrium-, Kalium- und Wasserhaushalt-Korrekturen.
Im weiteren Verlauf ist damit zu rechnen, dass die klinischen Zeichen der akuten Vasodilatation zugunsten einer stärkeren Betablockerwirkung zurücktreten.
Dabei treten bei entsprechend disponierten Patienten eventuell auf:
Bradykardie, AV-Blockierung: Atropin ½ – 1 mg oral oder i.v., Wiederholung bei Bedarf
am Bronchialsystem Obstruktion: Theophyllin i.v.
bei Thrombosegefahr: Heparinprophylaxe
Kontrollen der Nieren-und Leberfunktion
Blutbildkontrollen
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Beta-Adrenozeptor-Antagonisten, nichtselektiv, und Thiazide ATC-Code: C07BA
Wirkungsweise
Propranolol hemmt kompetitiv katecholamininduzierte Stimuli, die über 1- und 2-Rezeptoren vermittelt werden.
Durch Senkung von Herzfrequenz und Schlagvolumen und Verlangsamung der Erregungsleitung im AV-Knoten wird die Herzarbeit verringert.
Hydralazin bewirkt eine Vasodilatation fast ausschließlich der arteriellen Strombahn besonders im Bereich der peripheren Widerstandsgefäße. Dadurch kommt es zu einer starken Reduktion des peripheren Widerstandes und zu einer Senkung des Blutdruckes. Der diastolische Druck nimmt hierbei stärker ab.
Bendroflumethiazid greift am aufsteigenden Ast der Henle’schen Schleife und am proximalen Teil des distalen Tubulus an. Die Natrium- und Chlorid-Ionen-Rückresorption wird gehemmt, während die Hydrogencarbonat-Ionen-Konzentration nahezu unverändert bleibt. Herzminutenvolumen, peripherer Widerstand und Blutdruck nehmen ab.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Propranolol wird nach peroraler Gabe rasch und nahezu vollständig (über 90 %) absorbiert, unterliegt aber einem stark ausgeprägten First-Pass-Effekt während der Leberpassage. Maximale Plasmakonzentrationen von unverändertem Propranolol werden nach 1 bis 2 h erreicht. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 2 bis 6 h, die Plasmaproteinbindung ca. 95 %.
Propranolol wird praktisch vollständig zu inaktiven Metaboliten abgebaut und diese größtenteils (über 90 %) mit dem Urin ausgeschieden.
Propranolol ist plazentagängig und erscheint u.U. in wirksamen Konzentrationen in der Muttermilch.
Hydralazin wird nach peroraler Gabe rasch und gut (mindestens 86 % der Dosis) absorbiert und stark metabolisiert. Maximale Plasmakonzentrationen von unverändertem Hydralazin werden nach 0,5 bis 2 h erreicht. Die Eliminationszeit beträgt 2 bis 6 h, die Plasmaproteinbindung ca. 90 %. Hydralazin wird praktisch abgebaut und über den Urin ausgeschieden. Hydralazin ist plazentagängig und erscheint in der Muttermilch.
Bendroflumethiazid wird nach peroraler Gabe gut (ca. 80 %) absorbiert und stark metabolisiert. Maximale Plasmakonzentrationen von unveränderten Bendroflumethiazid werden nach 2 bis 3 h erreicht. Die Eliminationshalbwertzeit beträgt ca. 3 h.
Bendroflumethiazid wird zu 70 % metabolisiert und biliär eliminiert. 30 % werden unverändert mit dem Urin ausgeschieden.
Thiazide sind plazentagängig und erscheinen in der Muttermilch.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Bei einmaliger oraler Applikation an Maus und Ratte ergab sich eine LD50im Bereich von 600 – 800 mg/kg. Beim Hund liegt dieser Wert bei 1600 mg/kg. Die chronische Toxizität wurde an Ratte und Hund über einen Zeitraum von 6 Monaten geprüft. Effekte, die für die therapeutische Verwendung von Bedeutung sind, ergaben sich hierbei nicht.
Teratogenitätsprüfungen an Ratte und Kaninchen ließen keinen Hinweis auf ein teratogenes Risiko erkennen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), hochdisperses Siliciumdioxid; Kapselhülle:Gelatine, Titandioxid (E 171), Eisenoxidhydrat (E 172), Erythrosin (E 127), Indigocarmin (E 132)
6.2 Inkompatibilitäten
Entfällt
6.3 Dauer der Haltbarkeit
2 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25°C lagern!
In der Originalverpackung lagern, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen!
6.5 Art und Inhalt der Behältnisse
Blisterpackungen aus PVC/PVDC-Alu-Folie
Packungen mit 30, 60 und 100 Hartkapseln
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen
7. INHABER DER ZULASSUNG
UCB Pharma GmbH
Alfred-Nobel-Straße 10
40789 Monheim
Telefon: 02173/48-4848
Telefax: 02173/48-4841
Mitvertrieb
SANOL GmbH
Alfred-Nobel-Straße 10
40789 Monheim
Telefon: 02173/48-4848
Telefax: 02173/48-4841
8. ZULASSUNGSNUMMER
2535.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 29.03.1984
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 25.08.2005
10. STAND DER INFORMATION
August 2012
11. VERSCHREIBUNGSSTATUS/APOTHEKENPFLICHT
Verschreibungspflichtig
d5e68181ea1ef7cbaf7b3c73313b4935.rtf